Quantitative Unternehmensbewertung -die wichtigsten Kennzahlen

In diesem Artikel möchte ich dir einen kleinen Überblick über die wichtigsten Kennzahlen geben, die du für eine quantitative Aktienbewertung heranziehen kannst. Mit der quantitativen Unternehmensbewertung ist es im Gegensatz zur qualitativen Unternehmensbewertung möglich, zwei Unternehmen direkt zu vergleichen, da hier die genauen Zahlen untersucht werden.

Inhaltsverzeichnis

1 Kurs- Gewinn- Verhältnis (KGV) < 15-20

Das KGV gibt das Verhältnis des Aktienkurses zum erwirtschaftetem Gewinn jeder Aktie an. Die Formel lautet also: KGV= Aktienkurs/Gewinn pro Aktie oder: Marktkapitalisierung/ Jahresüberschuss. Liegt der Aktienkurs einer AG bei 100€ und jede Aktie konnte im vergangenen Jahr einen Gewinn von 20€ verzeichnen, dann liegt der KGV bei 5. Das Unternehmen braucht also 5 Jahre, um bei gleich bleibendem Gewinn seinen aktuellen Aktienkurs zu erwirtschaften. Je höher der KGV- Wert liegt, desto länger braucht ein Unternehmen also, um seinen aktuellen Wert durch Gewinne zu erlangen. Grundsätzlich ist der KGV- Wert ein gutes Werkzeug, um einen Eindruck über eine mögliche Unter- oder Überbewertung zu erhalten. Dazu vergleichst du den KGV eines Unternehmens mit dem Durchschnittswert einer Branche oder einem anderen Einzelunternehmen. Je niedriger der KGV, desto besser? Das stimmt nicht immer, da gerade ein negativer KGV ein Zeichen für Verluste sein kann. Zudem weisen junge Unternehmen meist erst einen hohen KGV- Wert auf, da sie noch keine oder nur wenige Gewinne verzeichnen können. Demnach gibt dir der KGV in deiner Analyse erstmal nur eine grobe Richtung für deine Bewertung an.

Als einfache Regel kann man formulieren, dass ein KGV im einstelligen Bereich als günstig und spätestens ab 20 als überteuert eingestuft werden kann. Faktoren, die auch ein Unternehmen mit einem größeren KGV attraktiv machen können, sind das Wachstum, die Marktposition, die finanzielle Stabilität, das Risiko und die Gewinnqualität.

2 Kurs- Umsatz- Verhältnis (KUV) < 1

Hier wird jetzt der gesamte Umsatz des Unternehmens in Bezug zum Gewinn gesetzt: KUV= Aktienkurs/Umsatz pro Aktie bzw. Marktkapitalisierung/ Umsatzerlöse. Der absolute Umsatz eines Unternehmens hat normalerweise keine große Aussagekraft, dennoch wird er in der Analyse herangezogen. Der Grund liegt ganz einfach in der Tatsache, dass der Umsatz kaum manipuliert werden kann. Eigenkapital und Gewinn eines Unternehmens können schnell „optisch korrigiert“ werden. Darüberhinaus eignet sich der KUV- Wert für die Bewertung von Unternehmen, die Verluste machen (sofern natürlich in der Zukunft Gewinne prognostiziert werden).

3 Kurs- Cashflow- Verhältnis (KCV) < 15

An dieser Stelle wird das Verhältnis von Aktienkurs und Cash Flow pro Aktie betrachtet: KCV= Aktienkurs/Cash Flow. „Mit Cashflow (Geldfluss) wird der im Geschäftsjahr erzielte Zufluss bzw. Abfluss liquider Mittel aus der gewöhnlichen Tätigkeit des Unternehmens bezeichnet. Im Unterschied zum Gewinn dürfen fiktive Ausgaben wie Abschreibungen und Rückstellungen – also nicht zahlungswirksame Vorgänge – nicht im Cash Flow erscheinen„. Du kannst mit dem KCV also wesentlich bessere Rückschlüsse auf die Wirtschaftlichkeit eines Unternehmens schließen, als mit dem KUV, da hier bereits die Ausgaben vom Umsatz abgezogen wurden. Darüberhinaus sind die Möglichkeiten der „Verschönigung“ für das Unternehmen wesentlich geringer. Ist eine große Differenz zwischen dem KCV und dem KGV festzustellen, dann hat das entsprechende Unternehmen bei der Bilanzierung mehr getrickst. Ähnlich wie beim KGV ist ein geringerer KCV als besseres Zeichen einzustufen als ein erhöhter KCV.

4 Kurs- Buchwert- Verhältnis (KBV) < 2

Der KBV gibt das Verhältnis von Aktienkurs zum Buchwert der Aktie an: KBV= Aktienkurs/Buchwert je Aktie. Der Buchwert gibt wiederum das Verhältnis von Eigenkapital zu den Anteilseignern an, also im Grunde, wie viel das Unternehmen wert ist, wenn man in diesem Moment alle materiellen Güter verkaufen würde. Liegt der KBV- Wert über 1, dann ist das Unternehmen momentan höher bewertet als die Summe seiner Teile wert ist. Grundsätzlich kann ein KBV, der entweder nahe bei 1, oder ein wenig darunter liegt als gutes Zeichen gewertet werden. Dennoch solltest du dir vorher die Branche und das Konzept des Unternehmens angucken, da gerade im Dienstleistungsbereich oft keine großen Buchwerte vorhanden sind und der KBV schnell weit über eins liegen kann.

5 Eigenkapitalquote >30%

Die Eigenkapitalquote ist für mich eine sehr wichtige Kennzahl und sollte gerade in Krisenzeiten nicht unterschätzt werden. Die Zahl gibt ganz einfach an, wie groß der Anteil des Eigenkapitals an der Gesamtbilanzsumme ist. Weist ein Unternehmen eine geringe Eigenkapitalquote auf, dann sind die Schulden dementsprechend sehr groß. In einer Krisensituation ist also kaum Geld da, um die laufenden Kosten zu decken. Du solltest also eher auf Unternehmen setzten, die mehr Eigenkapital im Unternehmen haben, damit das Unternehmen in Krisenzeiten nicht sofort pleite geht.

6 Dividendenrendite

Diese Kennzahl habe ich bereits in einem älteren Artikel unter die Lupe genommen. Sie gibt an, wie groß der Anteil der Dividende am aktuellen Aktienkurs ist. Für wie wichtig du die Dividende einstufst, ist dir überlassen. Verfolgst du eine Dividendenstrategie, wirst du sie natürlich als wichtig erachten. Trotzdem ist zu beachten, dass nicht jedes erfolgreiche Unternehmen immer eine Dividende ausschüttet. So zum Beispiel Amazon oder auch das bekannte Unternehmen Berkshire Hathaway von Warren Buffet.

7 Netto- Gewinnwachstum > 5%

Warum sollte der Gewinn eines Unternehmens wachsen? Die Frage ist ganz einfach zu beantworten. Wenn der Gewinn stetig wächst, dann suggeriert dir dies, als potentieller Käufer, dass das Unternehmen engagiert an seinen Zielen arbeitet und sich immer neuen Herausforderungen stellt. Ein stagnierender Gewinn ist eher ein Zeichen für mangelnde Ideen und festgefahrene Abläufe. Dich als Investor interessieren natürlich nur solche Unternehmen, die auch weiterhin am Ball bleiben und versuchen immer mehr Gewinn zu erzielen. Wenn also nach Jahren des Gewinnwachstums plötzlich Stagnationen auftreten, solltest du hinterfragen, woran das liegen könnte. Gab es Umstrukturierungen? Wie sah die gesamte Marktlage aus? Als Grenze würde ich etwa 5% Gewinnwachstum angeben, die ein attraktives Unternehmen ausmachen.

8 Zinsdeckung > 5

Diese Zahl vermittelt dir einen Eindruck darüber, wie gut ein Unternehmen in der Lage ist, seine Zinsen zu bezahlen. Je höher der Zinsdeckungsgrad ist, umso leichter können die Zinsen aus dem im operativen Geschäft erwirtschafteten Ergebnis – dem EBIT – gespeist werden. Weist ein Unternehmen eine sehr geringe Zinsdeckung von unter 2 auf, würde ich auf jeden Fall von einem Kauf abraten, da in diesem Fall schon kleine Gewinnrückläufe zu größeren Finanzierungsproblemen führen können. Grundsätzlich rate ich zu einem Wert von mindestens 5.

9 Marktkapitalisierung > 400-500 Millionen

Die Marktkapitalisierung bezeichnet den momentanen Börsenwert eines Unternehmens. Dieser hat eigentlich nichts mit deiner Rendite zu tun, trotzdem möchte ich ihn hier anführen. Das liegt ganz einfach daran, dass kleinere Unternehmen ein viel größeres Risiko mit sich bringen und am Markt viel schneller untergehen oder fusionieren können. Wenn du in sichere Unternehmen investieren möchtest, dann müssen diese auch eine gewisse Größe mitbringen. Natürlich soll dich das nicht davon abhalten, in kleine Unternehmen zu investieren. Dennoch rate ich zu einer Kapitalisierung von mindestens 400-500 Millionen €.

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