Wie kannst du 10.000€ anlegen? – Musterdepot

In diesem Beitrag soll es um ein konkretes Beispiel gehen, wie du 10.000€ investieren kannst. Mit 10.000€ wirst du mit großer Wahrscheinlichkeit nicht reich werden, dennoch ist es möglich, eine gute und solide Grundlage für ein langfristiges und erfolgreiches Portfolio zu schaffen. Das vorgestellte Musterdepot soll dir dabei als Inspiration dienen, damit du einen Eindruck bekommst, wie eine Asset Allocation aussehen kann.

Inhaltsverzeichnis

Vor der Investition:

1. Hast du Schulden?

Wenn ja, dann solltest du zuerst eine Tilgung vornehmen, bevor du über eine Investition nachdenkst. Die laufenden Kosten für einen Kredit sind nicht zu unterschätzen. Informiere dich ggf. über Sondertilgungsregeln, um den Kredit frühzeitig zurückzahlen zu können. Erst dann solltest du über eine Investition in Aktien nachdenken.

2. Investiere in Bildung

Gerade als junger Anleger mit wenig Erfahrung ist es durchaus angebracht, nicht sofort in Aktien zu investieren. Arbeite zuerst an deinem Wissen. Kauf dir vielleicht ein paar Bücher und eigne dir Basiswissen an. Die Rendite dieser Investitionen zeigt sich später in größerem Erfolg an der Börse.

3. Arbeite an deinem Humankapital

Das Humankapital beschreibt den Wert, den du mit deinen Fähigkeiten, Fertigkeiten und Qualifizierungen am Markt erbringst. Manche meinen an dieser Stelle, dass man einem Menschen keinen Wert zuordnen kann. Doch genau das geschieht, wenn jemand für deine Arbeitsleistung bezahlen muss. Um dein Humankapital zu steigern, musst du dir die Frage stellen: „Was kann ich machen, damit andere (Unternehmen oder Privatpersonen) bereit sind, mehr für meine Dienste zu bezahlen“? Kannst du dich vielleicht beruflich weiterqualifizieren? Fortbildungen besuchen? Einen Meister machen? Oder doch noch studieren? Gerade in deinen Zwanzigern sollte es immer deine Priorität sein, zuerst in dich selbst und dann in den Markt zu investieren. Ein Euro mehr in der Stunde hört sich im ersten Moment nicht viel an, aber rechne dir mal die Summe aus, die nach 10, 20 oder 30 Jahren durch diesen einen Euro zustande kommt.

4. Baue einen Puffer auf

Auch wenn du gerade 10.000€ über hast, musst du immer Sicherheiten aufbauen. Aktien in einem langfristigen Portfolio können zwar theoretisch jederzeit verkauft werden, dennoch geht damit immer ein Verlustrisiko einher. Das Geld sollte also möglichst für viele Jahre dort liegen können, ohne gebraucht zu werden. Erst dann wird sich der Zinseszins entwickeln und deine Investition kann Früchte tragen. Was nützt es dir das Geld anzulegen und nächste Woche geht deine Waschmaschine kaputt. Viel schlimmer wäre natürlich der Verlust deiner Arbeit. Für solche Notfälle sollte immer ein kleiner Puffer vorhanden sein, der nach Gebrauch noch vor allen anderen Anlagen wieder aufgefüllt wird. Wie hoch dieser Puffer ist, richtet sich nach deinem beruflichen Risiko und deinen allgemeinen Lebensumständen. Generell solltest du zwei bis drei Nettogehälter zur Verfügung haben, die es dir erlauben ohne finanzielle Engpässe einen neuen Job zu finden.

Erste Investition

Hast du die vier Punkte beachtet und bist immer noch gewillt Aktien zu kaufen, dann kommen wir jetzt zu konkreten Anlageoptionen. Folgende Rahmenbedingungen möchte ich dafür festhalten:

  1. Die Anlagen sollten möglichst breit gestreut werden (Stichwort Diversifikation).
  2. Anlagen unter 1000€ pro Titel rechnen sich nicht. Die Transaktionskosten sind dann zu hoch.
  3. Jede Order sollte bestenfalls zwischen 1200€ und 2200€ liegen.
  4. Erst informieren, dann kaufen. Fall nicht auf den „heißen Tipp“ rein. Du kaufst ja auch kein Auto, weil der Verkäufer einen heißen Tipp für dich hat.
  5. Lege nie dein ganzes Geld auf einmal an. Streue deine Käufe über einen längeren Zeitraum, auch das erhöht deine Sicherheit. Zudem könnte sich eine Sparplanmethode anbieten.

Anlageklassen und Verteilung

In dem Musterportfolio möchte ich mich auf die Anlageklassen Mischfonds, Aktienfonds, ETFs und Aktien konzentrieren. Die Gewichtung der einzelnen Klassen hat Einfluss auf dein Risiko.

  • Mischfonds gehören zu den aktiv gesteuerten Anlageklassen. Aktiv bedeutet, dass ein Fondsmanager über die Auswahl der Investitionen entscheidet, wodurch es zu hohen Gebühren kommt. Zur Auswahl stehen dabei Aktien, Rentenpapiere, Rohstoffe, Edelmetalle und Immobilien. Grundsätzlich weisen Mischfonds eine höhere Sicherheit, allerdings auch eine zumeist unterdurchschnittliche Performance am Markt auf (für weitere Informationen hier klicken).
  • ETFs hingegen gehören zu den passiven Anlageklassen. Grundsätzlich sind ETFs an einen Aktienindex gebunden, der auf unterschiedliche Weise repliziert wird. Diese Investitionen laufen automatisch, wodurch die Kosten niedriger, aber natürlich auch das Risiko ein wenig höher ist (für weitere Informationen hier klicken).
  • Aktienfonds funktionieren wie ein Mischfond (aktiv). Der wesentliche Unterschied ist, dass in einem Aktienfonds nur in Aktien und in keine anderen Anlageklassen investiert wird. Du kaufst quasi ein Stück eines anderen Aktienportfolios. Dadurch ist das Risiko gegenüber den Mischfonds höher, aber immer noch wesentlich geringer als der Kauf einzelner Aktien (für weitere Informationen hier klicken).
  • Aktien sind Anteile an einem Unternehmen. Durch den direkten Kauf fallen keine Kosten für einen Manager an. Lediglich die Orderkosten sind zu beachten. Mit dem Erwerb von Anteilen an wenigen Unternehmen setzt du dich einem wesentlich höheren Risiko aus, als bei dem Kauf eines Fonds. Gleichzeitig steigt die Chance auf eine höhere Rendite. Aktien machen also den risikoreicheren Teil deines Portfolios aus (für weitere Informationen hier klicken).

Musterportfolio

Ich möchte dir ein Musterportfolio für eine Investition von 10.000€ vorstellen mit einem mittleren Risiko Level. Die vier Aktien sollten mit 1200€-1300€ eingeplant werden. Der Rest verteilt sich gleichmäßig auf die übrigen Anlageklassen. Der Mischfond und die Aktienfonds bilden den „sicheren“ Teil des Portfolios und sind mit den höchsten Gebühren behaftet. Die ETFs weisen schon ein höheres Risiko auf als die Fonds, sind im Vergleich zu den Einzelaktien dennoch eher als „sicher“ einzustufen. Im risikoreichen Teil des Portfolios habe ich für den Anfang vier Einzelaktien eingetragen. Stark spekulative Aktien wurden dabei außen vor gelassen, da es hier um ein kleines Einstiegsportfolio geht.

AnlageklasseName Infos
MischfondsAdelac Invest GVIWKN: A0M6JL Umfang:69 Mio. € Aufschlag:5% Gebühr:1,08% Ausschüttung:Thesaurierend Modell:Flexible Anlage in Aktien und Anleihen
AktienfondsKeppler Global ValueWKN: A0JGNP Umfang:29 Mio. € Aufschlag:5% Gebühr:1,93% Modell: Investition in International ertragreiche Aktien
AktienfondsDeutsche AM Smart IndustrieWKN: 515248 Umfang: 731 Mrd. € Aufschlag:5% Gebühr:1,45% Modell: Anlage in Infrastruktur, Industrie und Logistik
ETFiShares MSCI WorldWKNA0RPWH Umfang:19 Mrd. Dollar Gebühr: 0,20% Modell: Repliziert den MSCI World mit 1600 Aktien
ETFMSCI World EMWKNLYX0BX Umfang:840 Mio. € Gebühr: 0,54% Modell: Schwellenländer
AktieMicrosoftWKN: 870747 KGV:26,2 Div- Rendite:1,84% Geschäftsmodell: Weltmarktführer führ Betriebssysteme, Serversoftware und Anwendungsprogramme
AktieRational AGWKN: 701080 KGV:47,5 Div- Rendite:0,7% Geschäftsmodell: Führender Hersteller von Küchengeräten (Kombidämpfer)
AktieNorilsk Nickel RTX RusslandWKN: 728841 KGV: 8,4 Div- Rendite: 10,3% Geschäftsmodell: Internationaler Produzent von Nickel, Platin, und anderer Metalle
AktieSixt SEWKN: 723132 KGV: 10,9 Div- Rendite: 7,95% Geschäftsmodell: Internationale Autovermietung
Musterportfolio, Mai 2020

Die hier vorgestellten Aktien und Fonds sollen keine Kaufempfehlung für dich sein. Es handelt sich nur um ein Beispiel, wie du dein Portfolio aufbauen könntest. Es gibt viele solide Unternehmen aus dem mDAX die langfristig eine gute Rendite versprechen. Gerade als Einsteiger solltest du nicht direkt auf die Suche nach Unternehmen gehen, die ihren Wert möglichst im nächsten Jahr verzehnfachen. Die Chance ein solches Unternehmen zu finden ist sehr gering. Die Chance, dass du dabei dein gesamtes Geld verlierst hingegen sehr hoch. Feste Zahlen und vor allem ein guter „Burggraben“ ist viel wichtiger.

Bist du eher an Dividenden interessiert, dann kommen die hier vorgestellten Positionen weniger für dich infrage. Ich werde dir demnächst ein Dividenden- Portfolio vorstellen, in dem ich dir die „Klassiker“ unter den Dividendenaktien vorstelle.

Hast du noch gar kein Depot, um dein Geld anlegen zu können? Hier findest du Informationen!

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