Jetzt in SIXT SE investieren?

Das SIXT Unternehmen hat seinen Sitz in Pullach bei München und kam „Corona-bedingt“ stark unter die Räder. Heute, am 15.05.2020 steht der Chart im Jahresrückblick noch auf -42%. Die Tiefstwerte erreichten im März sogar einen Abfall von über 60% gegenüber dem Vorjahreswert. Die Frage ist: Wie kam es zu den großen Einbrüchen und was können wir für die Zukunft erwarten? Dazu werden wir uns im folgenden das Unternehmen etwas genauer angucken.

Inhaltsverzeichnis

Sixt SE, 15.05.2020, Jahreschart, Quelle,

Das Unternehmen

Das SIXT Unternehmen wurde im Jahre 1912 durch Martin Sixt gegründet. Mit dem Konzept der Autovermietung wagte er sich als erster auf einen ganz neuen Markt. Seine „Fahrzeugflotte“ bestand damals aus sieben PKWs. Das Unternehmen wuchs und etablierte sich in Deutschland.

Nachdem alle Fahrzeuge (mit Ausnahme eines einzelnen Mercedes 230 Landaulet) im zweiten Weltkrieg konfisziert wurden, musste das Unternehmen wieder neu aufgebaut werden .

Über die Jahre wurden immer neue Unternehmenszweige gegründet, die den heutigen Erfolg begründen. So wurde 1966 die erste Flughafen-Station in München eröffnet. Drei Jahre später übernahm Erich Sixt (heutiger Vorstand der Sixt AG) die Unternehmensführung und erweiterte das Angebot mit einer LKW Flotte.

1986 folge dann der Start an der deutschen Börse mit der Sixt AG. Unter dieser Holding werden die einzelnen Unternehmenszweige, wie Vermietung, Leasing und Travel zusammengefasst.

Heutzutage ist Sixt als internationales Unternehmen mit über 280.000 Fahrzeugen und 2100 Stationen bekannt.

Die komplette Unternehmensgeschichte findest du hier.

Geschäftsmodell

Die großen Unternehmensfelder sind „SIXT-rent„, „SIXT-share„, „SIXT-ride“ und das Leasing-Geschäft.

SIXT-rent umfasst den Bereich der Autovermietung. Insgesamt gibt es mehr als 2000 Stationen in 105 Ländern, an denen Fahrzeuge gemietet werden können. Diese Stationen liegen zumeist an Flughäfen und Bahnhöfen und ermöglichen das Mieten von PKWs, LKWs, etc. verschiedenster Marken und Ausführungen. Die Konzentration liegt allerdings eher auf dem Premium-Segment. Darüber hinaus ist SIXT in punkto Autovermietung auf dem deutschen Markt führender Anbieter. Etwa 50% der gesamten Umsätze dieses Sektors werden zurzeit in Deutschland erwirtschaftet.

Mit SIXT-share ist das Unternehmen auch auf dem Carsharing-Markt vertreten. In großen Städten, wie Berlin oder Hamburg, erfolgt das Carsharing schnell über die Sixt-App. Die Autos können dann an jeder beliebigen SIXT- Station wieder abgegeben werden. Das Angebot soll in den nächsten Jahren auf weitere Städte ausgeweitet werden.

SIXT- ride fungiert als Chauffeur-Service mit einer Spezialisierung auf dem unternehmenstypischen Premium-Segment. Limousinen können per App gerufen und nachher auch bezahlt werden.

Weiterhin ist auch ein Auto-Leasing über die Tochtergesellschaft SIXT- Leasing SE möglich. Besonders interessant ist, dass SIXT schon beim Erwerb der Fahrzeuge einen Rückkaufvertrag abschließt und somit Gewinne durch den Verkauf erwirtschaften kann. Zudem bleibt das Unternehmen nicht auf den gebrauchten PKWs sitzen. Das Leasing macht ungefähr 27% der gesamten Einnahmen aus. Mit 67% ist Deutschland immer noch der stärkste Umsatzpunkt.

Burggraben

Mit der Bezeichnung „Burggraben“ beschreibt Warren Buffett die konkrete Sicherheit, die ein Unternehmen durch die Struktur und das Marktmodell aufweisen kann. Dazu ist interessant, wie das Unternehmen im Vergleich zu anderen Unternehmen der gleichen Sparte aufgestellt ist und wie es seine Marktposition halten will. Dazu gehören Patente, Konzepte, das Image einer Marke und vieles mehr. Coca-Cola, um ein Beispiel zu nennen, weist einen sehr „tiefen“ Burggraben auf, da sich die Marke vollständig etabliert hat und patentrechtlich gut abgesichert ist.

Der Burggraben von Sixt ergibt sich hauptsächlich durch die Bekanntheit des Unternehmens als „Autovermieter Nr. 1“. Darüber hinaus ist Sixt immer noch unter Familienführung. Familiengeführte Unternehmen sind solide, da meist wesentlich mehr „Herzblut“ und Engagement im Unternehmen steckt. Studien zeigen sogar, dass familiengeführte Unternehmen durchschnittlich profitabler sind, als nicht-familiengeführte Unternehmen. Weiterhin hat Sixt Verträge mit vielen Flughäfen und Veranstaltern. Das macht es für Konkurrenz wesentlich komplizierter, die Geschäfte von Sixt zu beeinflussen. Zudem ist eine hohe Eigenkapitalquote vorhanden, wie wir später noch im Detail sehen werden.

Risiken

Ein großes Risiko bei Sixt ist natürlich die Konjunktur- Abhängigkeit. Umsätze und Gewinne vermindern sich in dem Moment, wenn der Wille und Gebrauch für Autos sinkt. So wie es gerade in der Corona- Zeit der Fall ist. Das Unternehmen ist folglich direkt abhängig vom laufenden Geschäft. Des Weiteren ist Sixt zwar mit großem Abstand Marktführer, dennoch kann noch keiner sagen, wo die Reise hingehen wird. Ist Mieten und Leasen die Zukunft? Wer weiß das schon. Wenn sich ein anderes Modell durchsetzt, ist natürlich die Flexibilität des Unternehmens gefragt.

Chancen

Bisher werden große Anteile des Umsatzes in Deutschland generiert. Wie wir aber bereits wissen, ist die SIXT SE inzwischen in vielen Ländern auf der ganzen Welt aktiv und baut die Standorte weiter aus. Eine große Chance für das Unternehmen liegt also in der Internationalisierung. Wenn sich das Geschäftsmodell auch in anderen Ländern stärker etabliert, kann das Unternehmen seinen Umsatz vervielfachen. Das Potential nach oben ist also auf jeden Fall gegeben.

Zudem werden große Summen in zukunftsfähige Ideen investiert. Unter dem Namen SIXT-X investiert das Unternehmen jährlich 100 Mio. € in neue Ideen und Entwicklungen. Ziel ist es die Position am Markt auszubauen und langfristig zu festigen.

Gleichzeitig steht die Prozessautomatisierung im Vordergrund. Die eigene IT- Abteilung versucht den Prozess der Autovermietung zu beschleunigen und einfacher zu gestalten. Lange Wartezeiten an Flughäfen sollen durch den Gebrauch der App reduziert werden. Damit einher geht eine Verringerung der Kosten für das Unternehmen.

Kennzahlen-Analyse

Umsatzwachstum und EBIT

SIXT Umsatz, operativer Umsatz, EBIT, 2010-2019 Quelle

Wie in der Grafik gut zu erkennen ist, konnte SIXT in den letzten Jahren einen stetig steigenden Umsatz verzeichnen. In den letzten fünf Jahren lag der durchschnittliche Umsatzwachstum bei 12%/Jahr (1796 Mio € in 2014 zu 3306 Mio € in 2019). Der hier dargestellte operative Umsatz schließt nur die Gewinne aus Vermietung- und Leasinggeschäften ein. Rausgerechnet wurden die Einnahmen durch den Verkauf der gebrauchten Fahrzeuge.

Die EBIT- Marge (EBIT/Umsatz*100) lag in den letzten Jahren etwas über 12% und konnte somit in den letzten 5 Jahren um ca. 2% erhöht werden. 12% würde ich als gute, aber nicht als sehr gute Marge (ab >15%) einstufen.

Der Nettoverschuldungsgrad (Nettoverschuldung/EBITDA) lag zudem in den letzen drei Jahren knapp unter dem Grenzwert von 3,0x.

Dividenden- und Ausschüttungsquote

Vergleich der Dividendenquoten Sixt, 2009-2018, Quelle

Die ausgezahlte Dividende wurde in den letzten 5 Jahren um durchschnittlich 26% gesteigert. Allerdings ist die Dividende eher variabel und wurde zwischenzeitlich verringert. Auffällig ist, dass die Dividendenrendite der Vorzugsaktie immer etwas höher ausfällt als die der Stammaktie (solltest du den Unterschied nicht kennen, lies erst diesen Beitrag). Die Stammaktie wächst hingegen etwas schneller als die Vorzugsaktie. Sollte die Dividende ein wichtiges Kriterium für dich sein, dann ist die Sixt Aktie wohl keine gute Wahl für dich. Zugunsten neuer Investitionen kann die Quote schnell mal etwas niedriger ausfallen. Auch für 2019 wurde die Dividende aufgrund von Corona gestrichen. Macht das die Aktie unattraktiv? Gucken wir uns dazu weitere Kennzahlen an.

Die Ausschüttungsquote schwankte deutlich in den letzten Jahren, lag aber durchschnittlich mit ca. 44% unter dem Grenzwert von 60%, den ich für mich festgelegt habe.

KGV und EPS

Dividende vs. Gewinn pro Akite, Sixt, 2010-2019, Quelle

Der Grafik ist zu entnehmen, dass der Gewinn pro Aktie (EPS- Wert) in den letzten Jahren gesteigert werden konnte. 2018 ist ein Ausreißer nach oben zu erkennen. Für 2019 fiel im Vergleich zum Vorjahr der Gewinn etwas geringer aus. Mit einem Wert von 4,95€/Aktie liegt er aber immer noch über den Gewinnen in den Jahren zwischen 2010 und 2017 mit einem durchschnittlichen Anstieg von 35%.

Der KGV liegt für 2019 damit bei 13. Für den aktuellen Kurs und den Gewinn pro Aktie aus 2019 ergibt sich ein KGV von unter 8. Damit liegt die Aktie statistisch gesehen im günstigen Bereich.

Eigenkapitalquote

Eigenkapitalquote und Eigenkapital, Sixt, 2010-2019, Quelle

Das Eigenkapital wurde in den letzten 10 Jahren gleichmäßig erhöht. Dennoch weist die Quote starke Schwankungen auf, da große Summen Fremdkapital hinzugekommen sind. Mit über 25% liegt die Eigenkapitalquote trotzdem noch im sehr guten Bereich. Damit hat Sixt in der schwierigen Corona- Zeit laut dem Vorstandschef immer noch eine solide finanzielle Position, die auch durch die breite Finanzierungsbasis gestärkt wird.

Piotroski F-Score

Der Piotroski F-Score ist ein Wert, der sich aus 9 Kriterien zusammensetzt, die jeweils entweder 1 (gut) oder 0 (schlecht) annehmen können. Das Ergebnis liegt also zwischen 0 und 9 und gibt eine Einschätzung über die finanzielle Stärke eines Unternehmens. Hier findest du die genauen Kriterien.

Mit „5“ liegt der Wert für Sixt im mittleren Bereich und kann daher weder als schlecht oder gut gewertet werden.

Zusammenfassung und Bewertung

Die momentane Bewertung der Sixt Aktie ist aus meiner Sicht, trotz der schon eingetretenen Regeneration immer noch günstig. Wie die Vergangenheit zeigt, handelt es sich bei Sixt, um ein innovatives und kundenorientiertes Unternehmen, das immer versucht seine Kosten zu senken und seine Marktposition auszubauen. Die Wachstumschancen auf dem Mobilitätsmarkt sind vor allem international noch sehr groß. Sixt investiert große Summen in den Ausbau der eignen IT und in die Entwicklung neuer Produkte und dem App- Service.

Die untersuchten Werte zeigen einen stabilen und vor allem gleichmäßigen Wachstum, der (hoffentlich) nach den Einbrüchen der Corona- Zeit fortgesetzt werden kann. Die hohen Kurseinbrüche zeigen allerdings, wie abhängig Sixt von dem Tagesgeschäft ist (Stichwort Konjunkturabhängigkeit). Dennoch sollten die Ressourcen des Unternehmens ausreichen, um auch diese Krise überstehen zu können.

Ich selber habe zumindest 95 Aktien in mein Depot gelegt und werde diese zu gegebener Zeit aufstocken.

20 Jahre Kursverlauf

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