ETF oder Fonds?

In den vorherigen Beiträgen habe ich dir bereits vorgestellt, was die Unterschiede zwischen den aktiven Fonds und den passiven ETFs sind. Nochmal zur Erinnerung: In einem ETF erfolgt die Anlage des Geldes passiv in festgelegte Unternehmensaktien. Welche das sind, richtet sich nach dem des ETFs zugrunde liegenden Aktienindizes. Aktiv gemanagte Fonds hingegen werden durch einen Fondsmanager betreut. Dieser kann ggf. auf die Marktlage reagieren und das Geld in Anleihen oder andere Anlageklassen umschichten. Die Frage, mit der wir uns heute beschäftigen wollen ist: Welche Anlage performt besser?

Inhaltsverzeichnis

Grundlagen

Bevor wir uns die unterschiedlichen Entwicklungen angucken, hier noch einmal die zentralen Eigenschaften von ETFs und Fonds:

ETFaktive Fonds
– Passive Geldanlage
– Niedrige Gebühren (ab 0,01%)
– Keinen Ausgabeaufschlag
– Transparent
– Deckt bestimmte Branchen oder Regionen ab
– Keine Laufzeit
– Permanent Handelbar
– Fällt immer mit dem Markt
– Aktive Geldanlage
– Hohe Gebühren (ca. 2,26%)
– Ausgabeaufschlag meist 5%
– Umschichtung durch Manager möglich
– Deckt bestimmte Branchen oder Regionen ab
– Manchmal in der Laufzeit beschränkt
– Fällt meist nicht so tief wie der Markt
Grundlagen ETF vs. Aktienfond

„A Case for Index Fund Portfolios“

Um die Renditen von Fonds und ETFs vergleichen zu können, möchte ich dir die Studie „A Case for Index Fund Portfolios“ von Rick Ferri und Alex Benke vorstellen. Grundlage der Studie bilden Daten der Chicago Booth School of Buisness. Verglichen wurden dabei drei ausgewählte ETFs (60% USA Aktien und 40% Anleihen) mit drei aktiven Fonds der gleichen Allokation aus denen 5000 unterschiedliche Portfolios zusammengesetzt wurden. Bei den Fonds handelt es sich um offene Produkte, die frei gehandelt werden können. Zudem wurden unterschiedliche Zeitperioden untersucht, die auch die großen Wirtschaftskrisen 2000 und 2008 einschließen.

Ergebnisse der Studie

Die Ergebnisse sind verblüffend und lassen sich in drei Kernpunkte zusammenfassen:

  1. Die drei ETFs performten besser als 83% der Depots aus aktiven Fonds. Die Wahrscheinlichkeit ist also wesentlich höher, dass ein ETF gegenüber einem aktiven Fond besser performt.
  2. Je länger der Anlagezeitraum, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit einer Überperformance von ETFs.
  3. Je mehr aktive Fonds in einem Depot liegen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit einer Überperformance durch einen ETF.

Bedeutung für den Anleger?

Für dich als Anleger bedeutet das Ergebnis dieser Studie an erster Stelle, dass du mit einer Investition in einen ETF mit großer Wahrscheinlichkeit eine höhere Rendite erwirtschaften wirst, als mit einer Investition in einen aktiven Fonds. Doch wie lässt sich das erklären? Grundsätzlich versucht ein Fondsmanger mit seinen Aktionen „den Markt zu schlagen“. Sein Ziel ist es also mehr Rendite zu erwirtschaften als ein passiver und breit diversifizierter Investmentfonds. Dafür schichtet er Kapital je nach Marktlage in verschiedene Anlagen wie zum Beispiel in Anleihen um. Solche Aktionen kosten natürlich Gebühren. Zudem erfolgt die Reaktion meist erst dann, wenn bereits Verluste stattgefunden haben. Sollten die Aktienindizes nun wieder steigen, bedarf es wieder einer Umschichtung. Es kann also nicht der gesamte Kursanstieg mitgenommen werden. Dieses Zusammenspiel und natürlich die anfallenden laufenden und einmaligen Kosten schlagen sich in deinem Gewinn nieder.

Direkter Vergleich

Um die Ergebnisse grafisch betrachten zu können, habe ich mal die vier beliebtesten deutschen Fonds gesucht und diese mit einem ETF auf den MSCI- World verglichen. Auf Companisto gibt es ein Ranking über die beliebtesten Fonds. Allerdings sind hier nicht nur Aktienfonds aufgeführt.

Den ersten Platz hat der Pimco Income Fonds (WKN: A1J5ZE) als größter, aktiv verwaltete Aktienfonds inne. Die meisten Investitionen fließen hier in Unternehmensanleihen. Darauf folgt der M&G Optimal Income Fonds (WKN: A2JRC8), der in kurzfristige Anleihen investiert und der Carmignac Patrimoine Fonds (WKN: A0DPW0) als Mischfonds mit Aktien-, Anleihen- und Währungsanteilen. Der vierte Fonds ist der DWS Top Dividende Fonds (WKN: 984811) als reiner Aktienfonds.

Zum Vergleich habe ich den Lyxor MSCI-World ETF (WKN: LYX0AG) herangezogen. Die Ergebnisse sind unten dargestellt.

ETF vs. Fonds, Quelle
ETF vs. Fonds, Quelle

Ergebnis

Ein Vergleich der letzten 10 Jahre zeigt deutlich, wie weit die Fonds hinter dem ETF zurückbleiben. Am 04.05.2020 (nach Corona- Einbruch) lag die Rendite des ETFs mit 164,48% über 100% vor dem DWS Top Dividende Fonds, der mit +59,35% die höchste Fondsrendite verbuchen konnte. Der Carmignac Patrimoine Fonds konnte sogar nur 16.62% Wertsteigerung verzeichnen.

Wasser: Fonds vs. ETF

Einen nicht so deutlichen, aber dennoch vorhandenen Unterschied gibt es auf dem Gebiet Wasser. Ein Vergleich zwischen dem iShares Global Water ETF (WKN: A0MM0S) und dem Pictet – Water Fonds (Aktienfonds, WKN: 933349) zeigt erst im 10 Jahresvergleich Abweichungen. In den letzten 5 Jahren (siehe Bild 1) laufen Fonds und ETF quasi parallel. Allerdings darfst du nicht den Ausgabeaufschlag vergessen. Auf einen Fonds fallen in der Regel 5% der Kaufsumme an. Eine Investition von 10.000€ würde dich also schon zu Beginn 500€ kosten, wodurch deine Anlagesumme auf 9.500€ schrumpft.

iShares Global Water ETF vs.Pictet – Water Fonds, Quelle
iShares Global Water ETF vs.Pictet – Water Fonds, Quelle

Ausschlusskriterium für aktive Fonds?

Nach diesem Vergleich fragst du dich wahrscheinlich, ob du aktive Fonds per se aus deinem Portfolio streichen, oder gar nicht erst in Erwägung ziehen solltest. Aus meiner Sicht hängt das von deiner Strategie und dem Status quo ab. Startest du gerade an der Börse, dann solltest dein Geld nicht einfach in einen Fonds investieren und abwarten, was passiert. Für den Einstieg eignet sich ein Portfolio aus ein paar wenigen ETFs wahrscheinlich am besten. Trotzdem kannst du anteilig auch aktive Fonds in deinem Portfolio aufnehmen. Diese können zum Beispiel zur Stabilisierung (Verringerung der Schwankungen) beitragen, da sie in der Regel weniger stark einbrechen, wenn der Markt fällt. Ein ETF hingegen fällt immer so weit, wie auch sein zu replizierender Aktienindex.

Interessiert am Thema Fonds? Hier findest du weitere Informationen über Aktienfonds und Mischfonds.

Wenn du lieber in ETFs investieren möchtest, findest du hier eine Anleitung für deine Suche!

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