ETFs- die unsichtbaren Kosten

In meinem Beitrag „Wie finde ich den passenden ETF“ habe ich dir bereits das Total Expense Ratio (TER) als Bewertungskriterium für ETFs vorgestellt. Zur Erinnerung, das TER gibt die Gesamtkostenquote an, die für einen ETF jährlich anfallen und wird oft als ausschlaggebendes Kriterium herangezogen. Allerdings muss ein geringes TER nicht bedeuten, dass dein ETF der günstigste ist. Viele unterschätzen an dieser Stelle einen Blick auf die Tracking Difference. Was genau man darunter versteht und wie ein ETF Vergleich damit aussehen kann, möchte ich dir in diesem Beitrag zeigen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Tracking Difference?

Die Tracking Difference ist im Wesentlichen die Differenz zwischen dem Aktienindex, der deinem ETF zugrunde liegt und der Wertentwicklung desselben ETFs. Folglich beinhaltet diese Kennzahl alle anfallenden Kosten deines ETFs und ermöglicht dir einen besseren Vergleichspunkt, als die TER. Je geringer die Differenz ausfällt, desto besser kann der Index durch den ETF abgebildet werden. Allerdings solltest du nicht nur die Tracking Difference aus einem einzelnen Jahr, sondern bestenfalls einen Durchschnittswert von mehreren Jahren zum Vergleich heranziehen.

Tracking Difference = Wertentwicklung ETF – Wertentwicklung Index

Tracking Difference als Kennzahl

Im Folgenden möchte ich dir anhand einer Suche eines ETFs auf den MSCI World zeigen, wie man mit der Tracking Difference arbeiten kann. Dafür benutze ich die Seite trackingdifferences.com. Unter dem Menüpunkt „Weltweit“ ist der „MSCI World“ an erster Stelle aufgelistet.

TrackingDifferences Startseite, Quelle

Erster Überblick

MSCI World, Quelle

Dir werden erstmal zwei Seiten ETFs auf den MSCI World angezeigt. Die Reihenfolge ergibt sich aus der durchschnittlichen Tracking Difference (TD). Um einen besseren Vergleich zu erhalten, kannst du in der zweiten Spalte das Symbol „Vergleich“ wählen und dann oben im Menü die ausgewählten ETFs Anzeigen lassen.

Einstellungen zum Vergleich

MSCI World, ETF- vergleich, Quelle

Nun erhalten wir einen Überblick über einige wichtige Kennzahlen. In der ersten Spalte ist der „P-Score“ angegeben. Um diesen zu aktivieren, kannst du unter der Anzeige Einstellungen vornehmen:

Filter zum ETF Vergleich, Quelle

Für mich habe ich an dieser Stelle die „physische Replikation“ als ganz wichtig und die Ertragsverwendung „ausschüttend“ ebenfalls als ganz wichtig markiert. Das Fondsvolumen ist nicht ganz so wichtig, grundsätzlich sollte dein Fonds aber größer als 100 Mio. € sein, da du sonst Gefahr läufst, dass sich dein Fonds auflöst und mit einem profitableren verschmilzt. TER, TD und Varianz habe ich ebenfalls als wichtig markiert. Die weiteren Einstellungen können so belassen werden, da alle ETFs den gleichen Index abbilden und daher keine aussagekräftigen Informationen liefern.

P- Score Vergleich

ETFs nach P-Score, Quelle

Aus den persönlichen Angaben wurde nun ein „P- Score“ generiert. Dieser gibt an, wie weit der jeweilige ETF mit den Filtern übereinstimmt. Alle aufgeführten ETFs werden durch Sampling repliziert. Sampling ist eine Art der physischen Replikation, bei der nur die größeren Positionen eines Index gekauft werden (mehr Infos hier). Gerade bei dem MSCI World ist dies gar nicht anders möglich, da dem Index über 1600 Aktien zugrunde liegen. Würde jede dieser Aktien auch im ETF auftauchen, wären die Kosten wesentlich höher.

Über das Fondsvolumen können wir weiterhin alle zu „kleinen“ ETF aussortieren. Fonds unter 100 Mio. € sind zu klein, Fonds zwischen 100 und 500 Mio. € sind gut und Fonds größer als 500 Mio. € sind sehr gut. Somit ist Platz 2 aus dem Rennen (die Angaben in der Grafik beziehen sich allerdings auf USD).

Den höchsten P-Score zeigt der Xtrackers MSCI World UCITS ETF 1D (WKN: A1XEY2). Neben einem Fondsvolumen von über 800 Mio. USD und einer TER von 0,19% ist die TD mit durchschnittlich -0,08% sogar leicht negativ.

Xtrackers, Quelle

Der nähere Vergleich des Xtrackers zeigt zudem, dass die Tracking Difference seit 2017 stabil war. Große Unterschiede zwischen den einzelnen Jahren sind eher ein schlechtes Zeichen.

Negative Tracking Difference?

Wie kann die Tracking Difference denn negativ ausfallen? Performt der ETF damit besser als der Index? Genau das ist der springende Punkt. Große ETFs mit einem entsprechneden Fondsvolumen können auch eine negative TD aufweisen und performen damit besser, als der Index. Begünstigt wird dies natürlich auch durch die geringere Aktienzahl beim Sampling. Synthetisch replizierte ETFs können dadurch natürlich wesentlich größere Abweichungen zu ihrem Index aufweisen als physisch replizierte.

Thesaurierende ETFs

Natürlich kannst du in deinen Filtern auch nach thesaurierenden ETFs suchen. Die beiden Top- Ergebnisse (mit ansonsten gleichen Einstellungen) sind der iShares Core und der Xtrackers 1C. Beide weisen ähnlich gute Werte auf.

Top 2 thesaurierende ETFs, Quelle

Mein Ergebnis

Anhand der Tracking Difference würde ich mich nach dieser Suche für die ausschüttende Variante, den Xtrackers MSCI World, entscheiden. Allerdings ist der ETF recht neu und erst seit wenigen Jahren handelbar.

Xtrackers, Quelle

Auf trackingdifferences kannst du den Vergleich anhand deiner eigenen Filter durchführen und einen ETF finden der zu deinen Wünschen passt.

Alle weiteren Kriterien zur Bewertung von ETFs findest du in hier!

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2 Kommentare zu „ETFs- die unsichtbaren Kosten

  1. Hallo Kevin. Es freut mich, dass Dir mein Beitrag, in dem ich 5€ an jeden verschenke gefällt. Leider liegt mein Fokus weniger auf Fonds und ETFs, aber deine Beiträge sind klasse. Ausführlich, informativ und kurzweilig. Falls du Lust hast, und mal eine andere Perspektive auf passives Einkommen, Finanzmanagement und Erfolg im Leben haben möchtest, schreibe ich gerne mal einen Gastbeitrag für deinen Blog. Da ich jetzt, nach einer familiären Pause wieder aktiv werde. Lass es mich einfach wissen, ob Du Interesse an einer Kooperation hast. Viele Grüße aus Würzburg.

    1. Freut mich, dass es dir gefällt 🙂
      Ich wollte mich in den nächsten Monaten auch mit anderen Arten des passiven Einkommens beschäftigen,
      wenn es soweit ist, melde ich mich bei dir, dann kannst du gerne mal einen Beitrag bei mir veröffentlichen.
      Bis dahin bin ich gespannt was es neues bei dir zu lesen gibt! LG Kevin

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