Power Cell – hohe Rendite mit nachhaltiger Energie?

Heute möchte ich dir das schwedische Unternehmen Power Cell vorstellen. Mit seiner rasanten Kursentwicklung und einem Sprung von über 200% im letzten Jahr konnte die Aktie einiges an Boden gut machen. Doch wird sich das Unternehmen auch zukünftig auf dem Markt etablieren können und an den bisherigen Erfolg anknüpfen? Um eine Antwort auf diese Frage zu finden, werden wir das Unternehmen im Folgenden etwas genauer unter die Lupe nehmen.

Inhaltsverzeichnis

UnternehmenWKNStand 06.06.2052W Hoch52W Tief
PowerCell ABA14TK628,40 €32.90 €6,40 €
Überblick Power Cell

Das Unternehmen

Die Power Cell AB ist ein recht junges und noch verhältnismäßig kleines Unternehmen aus Göteborg (Schweden), das 2008 als Ableger von Volvo entstand und am Nasdaq First North gelistet wird. Die Spezialisierung liegt auf der Entwicklung und Produktion von Brennstoffzellenstacks. Wobei laut Wikipedia im Jahr 2019 lediglich 47 Mitarbeiter angestellt waren. Die Brennstoffzellen werden sowohl in der Automobilindustrie als auch in der Schifffahrt eingesetzt. Wie seit November 2019 bekannt ist, hält zudem das Unternehmen Bosch 11,3% von Power Cell. Darüber hinaus profitiert das Unternehmen von Kooperationen mit unterschiedlichen Unternehmen:

  • 2017: Gründung von Joint Venture Hyon mit dem Ziel, Brennstoffzellen auch im maritimen Bereich zu etablieren.
  • Zusammenarbeit mit der Internationalen maritimen Organisation (IMO) zur Reduktion von CO2- Emissionen in der kommerziellen Schifffahrt (Ziel: 50% Verringerung bis 2050).
  • 2018: Kooperation mit Siemens über die Produktion brennstoffbasierter Energiesysteme für Schiffe.
  • 2020: Fincantier (italienisches Schiffbauunternehmen) testet Brennstoffsysteme.
  • Ab 2021: Erste wasserstoffbetriebene Fähre geplant.
  • Ab 2022: Geplante Serienproduktion von Brennstoffzellensystemen für Nutzfahrzeuge (Kooperation mit Bosch).
  • Mitwirkung am EU Forschungsprojekt INN- Balance zur Entwicklung zuverlässiger Brennstoffsysteme für Nutzfahrzeuge.

Auftragslage von Power Cell

Wie der Aktionär 2019 berichtet, hat Power Cell einen Vertrag mit der Havygard Group abgeschlossen, in dem die Entwicklung eines emissionsfreien Brennstoffsystems vorgesehen ist. Dieser Vertrag soll umgerechnet ca. 6,9 Mio. € wert sein. Über eine Parallelschaltung mehrerer 200-kW- Brennstoffzellensystemmodule, soll eine Gesamtleistung von 3,2 Megawatt erreicht werden. Der erste Einsatz soll auf einer Route der Reederei Havila Kystruten stattfinden.

Weiterhin heißt es in einem kürzlich veröffentlichtem Artikel, Power Cell habe einen Auftrag für weitere Brennstoffzellenstacks durch seinen Vertriebspartner Bumhan Industries erhalten. Dieser umgerechnet nur 336.000 € große Auftrag ist zwar nicht überwältigend groß, öffnet allerdings die Tür zum asiatischen Markt und erhöht damit die Marktchancen des Unternehmens.

Wie funktioniert die Brennstoffzelle?

Eine Brennstoffzelle ähnelt in ihrem Aufbau einer Batterie. Im Grunde bedarf es lediglich zwei Elektroden, einen Minuspol (Kathode) und einen Pluspol (Anode) die durch einen Elektrolyt (zuständig für Ionentransport) getrennt werden. Bei den PEMFC- Brennstoffzellen wird diese Funktion von einer Polymer- Membran übernommen, einer Kunststoffhaut zwischen den Elektroden. Die SOFC- Brennstoffzelle hingegen verfügt über einen Hightech- Keramik Zirkondioxid.

Die Energie in dieser Brennstoffzelle wird nun durch eine chemische Reaktion zwischen den Elektroden erzeugt. In diesem Fall erfolgt eine Reaktion zwischen Wasserstoff und Sauerstoff, wodurch Wasser als „Abfallprodukt“ gewonnen wird. Die dabei entstehende Energie dieser „kalten Verbrennung“ kann technisch genutzt werden.

Von Vorteil ist natürlich, dass keine Abgaswolken entstehen. Zudem ist der Wirkungsgrad sehr hoch und der Verschleiß sehr gering, da zum Beispiel keine Kolben notwendig sind. Allerdings entstehen sehr große Kosten. Neben dem technischen Aufwand und der begrenzten Stack- Lebensdauer fehlt eine flächendeckende Infrastruktur (mehr zum Thema Brennstoffzelle findest du hier).

Ist Wasserstoff die Zukunft?

Die Brennstoffzelle ist keine neue Erfindung. Schon in den 1950er- Jahren wurden diese Zellen in U- Booten eingesetzt und später in der Raumfahrt. Auch Autos, die mit Brennstoffzellen fahren, wurden bereits vor vielen Jahrzehnten vorgestellt, konnten sich aber nie wirklich durchsetzen. Heutzutage wird die Brennstoffzelle hingegen immer wieder in die Debatte gezogen, da sie CO2- neutrale Mobilität ermöglicht. Darüber können die Gase zum Betrieb solcher Zellen und Fahrzeuge, die diese nutzen, gelagert und transportiert werden. Strom hingegen wirft immer wieder das Problem auf, dass eine flächendeckende Nutzung technisch momentan noch gar nicht umsetzbar ist.

Auch in Deutschland wird Wasserstoff wieder in den Fokus genommen. In einem neuen Konjunkturpaket wurden 9 Mrd. € zur Förderung grünen Wasserstoffs freigegeben. So hieß es: „Deutschland soll der modernste Wasserstofftechnikausrüster der Welt werden“.

Auf unterschiedlichen Portalen wird Wasserstoff schon lange als „Zukunft“ postuliert. Da wir in dieser Entwicklung noch ganz am Anfang stehen, weiß eigentlich noch keiner so richtig, wo es einmal hingehen wird. Für die nächsten Jahre ist erstmal zu erwarten, dass es weitere Bemühungen in diese Richtung geben wird. Ob und wann sich die Brennstoffzellen durchsetzten, bleibt abzuwarten.

Kennzahlenanalyse

Power Cell ist erst seit wenigen Jahren (2014) an der Börse gelistet. Die Zahlen reichen dementsprechend noch nicht sehr weit zurück. Aus diesem Grund möchte ich den Unternehmens- Zahlen weniger Bedeutung zusprechen, da sie zwar Tendenzen erkennen lassen, aber auf keinen Fall ein klares Zeichen für Stabilität sind.

Umsatzwachstum

Bilanz und Umsatz Power Cell 2013-2019, Quelle Finanzen.net GmbH

Die Umsatzerlöse konnten zwischen 2013 und 2019 von 2,5 Mio. SEK auf 66,85 Mio. SEK gesteigert werden. Daraus ergibt sich ein Umsatzwachstum von durchschnittlich 135% pro Jahr. Allerdings ist dies für ein so kleines Unternehmen nicht ungewöhnlich und kein Indiz für ein stabiles Wachstum. Zwischen 2018 und 2019 ist bereits ein wesentlich geringerer Zuwachs mit ca. 10% aufgetreten.

EPS

Power Cell EPS und Umsatz je Aktie, Quelle Finanzen.net GmbH

In 2019 wurde zum ersten Mal ein Gewinn von 8,42 SEK verzeichnet. In den Vorjahren wurde noch ein Verlust erwirtschaftet. Wie in der Grafik zu erkennen ist, gab es den großen Sprung erst im letzten Jahr, obwohl der Umsatz schon in den Vorjahren anstieg.

Eigenkapital

Power Cell Eigenkapital, Quelle Finanzen.net GmbH

Das Verhältnis von Eigen- und Fremdkapital hat sich in den letzten Jahren zu Gunsten des Eigenkapitals verschoben. Mit über 80% stellt Power Cell das meiste seines Kapitals noch selbst. Für den Verschuldungsgrad (Fremdkapital/ Eigenkapital) ergibt sich damit ein Wert von 0,21x, der für sich allein genommen sehr gut ist. Allerdings sank das EBIT von -66,7 Mio. SEK auf -79,9 Mio. SEK in 2019. Da der Umsatz verhältnismäßig gestiegen ist, steigt natürlich auch die EBIT- Marge, trotzdem liegt der Wert in 2019 noch bei -120% und ist damit weit entfernt von jedem Grenzwert für eine optimale Marge.

Eine vollständige Liste der weiteren Bilanzzahlen findest du hier.

Fazit und Bewertung

Wie wir bei unserer Untersuchung festgestellt haben, handelt es sich bei Power Cell, um ein sehr junges Unternehmen, das sich einem neuen/alten Trend verschrieben hat, der Brennstoffzelle. Die Daten der letzten Jahre zeigen das bisher rasante Wachstum des Unternehmens und steigende Auftragszahlen. Viele setzten momentan ihre Hoffnung in die Technologie der Brennstoffzelle, ohne dass sich diese bereits bewährt hat, um möglichst von Anfang an dabei zu sein, falls der Durchbruch gelingt. Wie ein Blick in die Vergangenheit zeigt, ist es aber oft nur ein Unternehmen von Hunderten, dass sich langfristig auch durchsetzt. Power Cell ist nicht das einzige Unternehmen auf der Welt, das sich mit Brennstoffzellen beschäftigt. Allerdings wurden die neuen Innovationen der Firma patentrechtlich abgesichert. Gelingt einem anderen Unternehmen allerdings ein Durchbruch, wird die Aktie wie ein Kartenhaus zusammenfallen. Der Wachstum von Power Cell ist aus meiner Sicht auf den bisherigen Aufträgen aufgebaut, die allerdings zum Teil nur für wenige Jahre gelten. Die Investition in das Unternehmen ist daher sehr riskant. Können auch weiterhin neue Kunden angeworben werden, wird sich das auch in den Kursen niederschlagen.

Der Kauf dieser Aktie ist aus meiner Sicht daher eher spekulativ. Dennoch werde ich die Aktie weiter beobachten und ggf. sogar als kleine Position in mein Depot legen. Ich stehe der Gesamtentwicklung der Brennstoffzelle sehr positiv gegenüber und glaube an eine festerer Position im Markt. Auch die neuen Aufträge für Power Cell aus Asien sind für mich ein positives Zeichen. Die Nachfrage nach einem CO2-neutralen Antrieb und einer Alternative für die herkömmliche Motorisierung wird in den nächsten Jahren immer mehr ins Gewicht fallen. Zudem können Brennstoffzellen als Energielieferant einen Elektromotor betreiben, die mit Tesla momentan in aller Munde sind. Auch die alteingesessenen Automarken investieren immer mehr in neue Antriebe und damit auch in die Brennstoffzelle. Das Rennen um den Fortschritt bleibt also spannend.

Wie denkst du über Power Cell oder die Brennstoffzelle allgemein? Schreib es mir gerne in die Kommentare.

8 Kommentare zu „Power Cell – hohe Rendite mit nachhaltiger Energie?

  1. Ich bin dort seit etwas über einem Jahr investiert, auch in einigen anderen Wasserstoffwerten (NEL, ITM, Ballard und Plug) – damals als Wette auf die Zukunft. Diese Wette läuft immer noch.
    Ich habe vor die Aktien mindestens 10 Jahre (wenn nicht länger) zu halten. Die Werte laufen so gut, dass sie ohne weitere Zukäufe inzwischen fast 50% meines Depotwerts ausmachen – was mir schon etwas unheimlich ist. Auch die Bewertungen sind abenteuerlich. Aber was solls? Zwar sind die Schwankungen enorm groß (siehe auch heute bei ITM), letzendlich geht der Trend eigentlich nur nach oben.

    1. Dann hast du es letztes Jah genau richtig gemacht! Ich habe mir auch schon andere Unternehmen in der Branche ageguckt, allerdings möchte ich die Werte nicht direkt zu hoch ansetzten. Wenn Shell weiter so gut läuft werde ich diese Position allerdings verkaufen und mit ein wenig Zulage in PowerCell und ein weiteres Unternehmen investieren. Die Schwankungen sind auf jeden Fall stark, allerdings gilt das für viele Wachstumswerte die ich im Depot liegen habe. Außerdem fällt mir kein Unternehmen ein, das mehrere hundert Prozent macht und dabei nicht deutlich am schwanken ist 🙂

      1. Nunja, genau richtig ist nichts. Bei Powercell habe ich meine Position im Januar um 30% abgebaut, die Anfangsinvestition in einem stabilieren ETF zwischengelagert.
        Bei NEL habe ich vor gut einem Monat auch einen Teilverkauf geätigt um meine Position in Wirecard zu verbilligen – nunja…. Dort bin ich inzwischen wieder nahe an meinem Einstiegskurs aber in Anbetracht der Kurststeigerung bei NEL ärgere ich mich schon sehr über den psycholgischen „Verlust“.
        Nichtsdestotrotz investiere ich vor allem in Zukunftswerte, vor allem nachhaltig soll es sein. Shell würde bei mir nicht ins Depot kommen. Ob das so schlau ist steht auf einem anderen Blatt :-).

      2. Das mit der Nachhaltigkeit und Zukunftsorientierung ist eine gute Sache, welche Aktien hast du denn neben Wasserstoff noch im Depot wenn man fragen darf?

      3. Neben Wasserstoff noch kleine Positionen in Vestas und Siemens-Gamesa, die Umweltbank, Sun Power (beides zur Zeit Streichkandidaten), Varta, dazu zwei ETFs aus den Bereich Clean bzw. New Energy wobei da auch z.T. die Wind und Wasserstoffwerte enthalten sind – nur eben breiter gestreut. Zur Absicherung noch größere Positionen vom MSCI World ETF und S+P500 (wobei die ja nun nicht wirklich nachhaltig sind, aber gut, Absicherung muss sein) und zu guter letzt noch aus nostalgischen Gründen Borussia Dortmund und ein Bitcoin Zertifikat.

      4. Auf jeden Fall ein spannendes Depot! Den S+P500 wollte ich auch erst mit rein nehmen, habe ich jetzt allerdings mit einem global water ETF getauscht.

      5. Den hatte ich auch mal auf meiner Liste. Da ich der Meinung war, dass Wasser keine Investition sein sollte, habe ich mich dann, ohne mich näher damit zu Beschäftigen, für einen anderen ETF entschieden.

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