Schon als Student Geld anlegen? – Vermögensaufbau im Studium

Viele Studenten glauben, dass sie während des Studiums nicht die finanziellen Mittel aufbringen können, um langfristige Investitionen an der Börse zu starten. Dementsprechend wird jeder Gedanke an Geldanlagen und Vermögensaufbau auf das spätere Berufsleben verschoben. Im Folgenden möchte ich dir erklären, warum das vielleicht ein Trugschluss ist und wie du selber deinen Weg an die Börse findest.

Inhaltsverzeichnis

„Ich habe kein Geld übrig!“

Aussagen wie diese höre ich immer wieder, wenn es um das Thema Vermögensaufbau geht. Natürlich gibt es sicherlich Studenten, auf die dies wirklich zutrifft. Allerdings haben viele überhaupt keinen Überblick über ihre Ausgaben und Einnahmen und planen oder Kalkulieren nicht die alltäglichen Kosten. Bevor du also zu dem Schluss kommst, dass du kein Geld hast, solltest du dir einen genauen Überblick über deine finanzielle Situation machen.

Dafür eignet sich zum Beispiel ein Haushaltsbuch, in dem du alle deine Ausgaben über einen gewissen Zeitraum sammelst und auswertest. Hier kannst du diese nun in Fix- und variable Kosten einteilen. Zu den Fixkosten gehören alle Kosten, die regelmäßig und in gleicher Höhe auftauchen, wie zum Beispiel deine Miete, Strom- und ggf. Gasverträge, Abonnements und Fitnessstudio-Beiträge. Variable Kosten können Lebensmitteleinkäufe, Anschaffungen oder Partys sein.

Um besser rechnen zu können, lohnt es sich für die variablen Kosten eine realistische monatliche Pauschale festzulegen. Ich selber bin kein krasser Sparer und es würde mich stören, an jeder Ecke auf den letzten Cent zu achten. Durch eine Pauschale weißt du immer, wie viel diese Woche oder diesen Monat noch drin ist und kannst guten Gewissens Einkaufen gehen. Solltest du langfristig mit der Pauschale nicht hinkommen, musst du diese natürlich dementsprechend erhöhen. Außerdem erhälst du auf diese Weise ein Gefühl für Preise und hinterfragst vielleicht, ob du wirklich zum vierten Mal in Folge bei Lieferando bestellen solltest.

Wenn du nun weißt, wie viel dich dein Alltag kostet, vergleiche die Kosten mit deinen Einnahmen. Im besten Fall ergibt sich hier eine positive Differenz, die du nun in Ansparungen für Luxusartikel und natürlich deine erste Geldanlage zum Vermögensaufbau aufteilen kannst. Kommst du gerade mit deinem Geld aus, musst du dir ggf. überlegen, wo du sparen möchtest oder sparen kannst. Überprüfe dafür deine Ausgaben und hinterfrage die einzelnen Positionen. Klassiker sind hier das Fitnessstudio oder der Sportkurs, die schon seit einem Jahr bezahlt werden, obwohl du erst zweimal da warst, der Stromvertrag, der aus Bequemlichkeit nicht gewechselt wurde, Apps, die vor einem Jahr gekauft wurden, oder der vergessene Handyvertrag, der plötzlich 49.99 € kostet, weil du nicht passend gekündigt hast.

Versuche auf diese Weise einen kleinen Betrag frei zu machen, den du investieren kannst. Egal ob mit 25 €, 50 € oder 100 €, Geldanlagen können immer aufgebaut werden, dazu später mehr. Dein Sparen sollte aber nicht überhandnehmen. Klar kannst du fünf Packungen Nudeln im Angebot kaufen oder 500 Meter mehr Weg in Kauf nehmen, um einen günstigeren Discounter zu erwischen, dein Leben einschränken, sollst du aber nicht.

TIPP: Plane Kosten wie deinen Semesterbeitrag, die nur wenige Male im Jahr anfallen, indem du jeden Monat den entsprechenden Teil zurücklegst. Dadurch belasten dich die Kosten nicht auf einen Schlag.

„Später habe ich viel mehr Geld zum Investieren, dann gleiche ich das aus!“

Natürlich solltest du nach deinem Studium wesentlich mehr Geld zur Verfügung haben, als es während deines Studiums der Fall ist, allerdings werden sich deine Ausgaben mit großer Wahrscheinlichkeit schnell deinen Einnahmen anpassen oder zumindest ansteigen. Schließlich steigen ja auch die Ansprüche, die du selber an dein Leben stellst. Irgendwann reicht dir die Einzimmerwohnung nicht mehr, du möchtest ein Auto fahren, mal so richtig Urlaub machen oder planst vielleicht schon eine eigene Familie. Gerade dann wird dir nicht in den Sinn kommen: „jetzt möchte ich erstmal zwei Jahre so richtig sparen, wie ich es im Studium vorhatte“. Hast du aber über die Jahre schon ein paar Tausend Euro gespart, fällt dir der Start ins Leben vielleicht etwas leichter.

Studium und Kredit?

Solltest du das Studium trotz deiner Bemühungen nur durch einen Kredit finanzieren können, ist es nicht ratsam diesen auszureizen, um Geld anzulegen. Auch wenn die Zinsen von Studienkredieten recht human sind, musst du das Geld dennoch zurückzahlen. Da Geldanlagen an der Börse immer auch mit Verlusten verbunden seien können, ist das Risiko an dieser Stelle aus meiner Sicht zu hoch. Stattdessen kannst du versuchen, deinen Kredit auf ein Minimum runter zu schrauben, in dem du ggf. freie Zeit zum Arbeiten nutzt oder in den Semesterferien arbeitest, sofern das mit Praktika und Hausarbeiten vereinbar ist.

Welche Investitionsmöglichkeiten hast du?

Du denkst jetzt vielleicht: „50 € im Monat, da kommt doch eh nichts bei rum“. Doch dauert dein Studium planmäßig zwischen drei und fünf Jahren und über diesen Zeitraum fängt der Zinseszins langsam an seine Wirkung zu zeigen. Doch werfen wir erst einen Blick auf deine konkreten Anlagemöglichkeiten.

Zuerst einmal kannst du natürlich jeden Monat 50 € auf ein Sparbuch, ggf. ein Tagesgeldkonto oder unter dein Kopfkissen legen und über die Jahre ansparen. Somit würdest du 600 € im Jahr und damit 1.800€ nach drei bzw. 3.000 € in fünf Jahren sparen. Hier würdest du momentan in allen drei Fällen keine Zinsen erhalten.

An der Börse hingegen liegt der durchschnittliche Zins der Vergangenheit bei 7%. Voraussetzung ist eine breite Diversifizierung deiner Anlage (die Grundlagen über die Börse findest du hier). Über den Kauf von einzelnen Aktien ist dies für einen Anfänger wohl nur schwer möglich. Es gibt zwar die Möglichkeit Aktien im Sparplan zu erwerben, allerdings würde ich hier mindestens 100 -200 € empfehlen, da du sonst zu wenig Aktien im Sparplan hast.

Eine weitere und sehr beliebte Methode ist das Anlegen in einem ETF. Ein ETF oder „Exchange Traded Fund“ ist im Grunde ein passiver Fonds. Passiv bedeutet, dass kein Fondsmanager die Ziele der Investitionen steuert. Das Geld wird entsprechend der Gewichtung der Aktien in einem beliebigen Aktienindex investiert, die der jeweilige ETF versucht nachzubilden. Ein Aktienindex umfasst dabei eine bestimmte Gruppe von Aktien, wie zum Beispiel der Dax mit den 30 größten deutschen Werten oder der S&P500 mit den 500 größten Werten der USA. Da diese Investitionen automatisch laufen, fallen kaum Gebühren für das Halten und Kaufen eines ETFs an. Gleichzeitig kaufst du quasi Anteile an ganz vielen Unternehmen gleichzeitig, wodurch die notwendige Streuung deiner Investition gegeben ist.

Um das ganze Abzukürzen findest du hier einen Beitrag, in dem ETFs genauer erklärt werden. Und hier, wie du den für dich richtigen ETF findest.

Die „klassische“ Methode ist eine Investition in einen ETF, der den MSCI World repliziert. Im MSCI- world sind über 1600 Unternehmen zusammengefasst, die auf der ganzen Welt zu finden sind. 60% liegen allerdings in der USA. Dies kann zum Beispiel durch einen Schwellenländer ETF oder einen Europa ETF ausgeglichen werden, wodurch das Risiko durch eine Abhängigkeit von einem Land minimiert wird. Grundsätzlich sind bei der Wahl eines ETFs deiner Vorstellung keine Grenzen gesetzt, da es inzwischen viele tausend Möglichkeiten von spezifischen Länder-, Kontinent- oder Branchen- ETFs gibt. Trotzdem solltest du auf verschiedene Kriterien achten, wenn du einen ETF für dich suchst. Weitere Infos zum Vergleichen von ETFs findest du hier.

Was kannst du erwarten?

Für die Modellierung gehen wir von durchschnittlich 7% aus. Je länger deine Investition läuft, desto geringer ist übrigens das Risiko Geld zu verlieren, da Verlustphasen langfristig ausgeglichen werden.

Zeitraum50 € /Monat100€ /Monat150€ /Monat200€ /Monat300€ /Monat
1 Jahr622,75 €1.245,50 €1868,25 €2.491,00 €3.736,50 €
3 Jahre2.002,08 €4.004,16 €6.006,24 €8.008,32 €12.012,47 €
5 Jahre3.581,27 €7.162,55 €10.743,82 €14.325,09 €21.487,64 €
10 Jahre8.604,19 €17.208,39 €25.812,58 €34.416,77 €51.625,16 €
20 Jahre25.529,94 €51.059,89 €75.589,83 €102.119,77 €153.179,66 €
50 Jahre253.165,89 €506.331,78 €759.497,67 €1.012.663,56 €1.518.955,37 €
Zinseszins Beispiele, Vermögensaufbau

Dieser Grafik kannst du entnehmen, wie sich die jeweiligen Investitionen über die Jahre entwickeln. Möchtest du selber ein paar Beispiele durchrechnen, dann kann ich dir diesen Zinseszins- Rechner empfehlen.

Bedeutet: Durch das regelmäßige Besparen eines ETFs kannst du langfristig Geld für den Vermögensaufbau anlegen und vom Zinseszins profitieren. Dabei sind die Anteile des ETFs jederzeit handelbar und können ggf. sofort verkauft werden, solltest du das Geld brauchen.

Welche Vorteile hat ein Sparplan für dich?

Ein Sparplan ermöglicht es dir jeden Monat eine flexible Summe anzulegen. Solltest du also plötzlich höhere Kosten haben und kannst einen Monat kein Geld sparen, musst du den Sparplan einfach nur für einen Monat aussetzen oder die Sparrate reduzieren. Andersrum kannst du die Rate auch erhöhen, wenn du in einem Monat mehr Geld über hast. Darüber hinaus profitierst du vom  Cost-Average-Effekt. Kaufst du in einem festen Sparplan mit der gleichen Rate zu unterschiedlichen Kursen, erhälst du einen Durchschnittspreis, von dem du profitieren kannst. Dazu ein kleines Beispiel:

Du investierst immer am ersten des Monats 200€ in einen Sparplan. Die Stückkosten liegen in den ersten fünf Monaten bei: 100, 50, 100, 150, 100 €. Du kaufst also insgesamt 2 + 4 + 2 + 1,33 + 2 = 11,33 Anteile. Da der Kurs nach 5 Monaten bei 100 € liegt, hast du also 11,33* 100 € = 1133 €. Hättest du 1000 €direkt im ersten Monat investiert, dann wären diese im fünften auch nur 1000 € wert. Durch den Sparplan konntest du folglich für einen günstigeren Durchschnittswert kaufen.

Außerdem fängst du bereits früh an, dich an das regelmäßige Sparen zu gewöhnen und kannst dich mit dem Geschehen an der Börse auseinandersetzen. Du musst ein Verständnis dafür entwickeln, dass dein Depot nicht linear zuwachsen wird und ein Kursabfall manchmal auch etwas Gutes ist, wenn du dadurch billiger einkaufen kannst. Solche Erfahrungen sind für Einsteiger einfacher mit einem Sparplan zu machen, als mit großen Summen in Growth- Aktien, die im Tagesgeschäft gerne mal um 5% schwanken.

Zudem ist ein ETF- Sparplan überhaupt nicht zeitintensiv. Hast du die Rate einmal festgelegt und möchtest diese nicht ändern, musst du theoretisch erst wieder in den Depot gucken, wenn du dir einen Beleg für die Steuer drucken möchtest. Auch wenn das in der Praxis nicht der Fall ist, da man zwischendurch doch gerne sieht, wo man gerade steht.

TIPP: Auch wenn die Raten flexibel sind, solltest du dir immer einen Puffer auf deinem Konto lassen, mit dem du dringende Investitionen zuerst bezahlen kannst. Schließlich soll das Geld ja nicht vorzeitig aus dem Sparplan genommen werden, weil der Kühlschrank plötzlich kaputt ist.

Wertpapierdepot zum Vermögensaufbau

Bevor du jetzt mit deiner Anlage starten kannst, brauchst du noch ein Wertpapierdepot, in dem später dein ETF liegen wird. Dafür kannst du entweder zu deiner Hausbank gehen und dich dort informieren, oder ein Depot bei einer Onlinebank errichten. Vorteil der Onlinebanken ist das vielfältige Angebot und die geringen Kosten, da hier die Depots fast immer kostenfrei sind. Ich selber nutze im Moment mein Depot bei der Consorsbank. Hier findest du allerdings eine Liste unterschiedlicher Anbieter, wenn du dir selber ein Bild machen möchtest. Das Einrichten deines Depots dauert nur wenige Minuten und ist mit kaum Arbeit verbunden.

Warum solltest du das Depot vielleicht nicht bei deiner Hausbank einrichten? Aus meiner Sicht ist ein Depot bei der Hausbank für dich keine gute Wahl. Einerseits stören natürlich die anfallenden Gebühren nur für das Depot, ohne das etwas darauf passiert. Andererseits sind auch die Möglichkeiten oft sehr eingeschränkt. Aktiensparpläne sind teilweise gar nicht, oder nur in kleiner Auswahl möglich und auch viele ETFs können nicht bespart werden. Zudem ist mir bisher noch keine übersichtliche App in die Hände gefallen. Einige Banken bieten nicht mal live-Kurse an, wodurch dir die App nur einen groben Eindruck über deine Finanzen geben kann. Trotzdem kannst du dir natürlich vor der Eröffnung deines Depots einen Überblick verschaffen und die Angebote vergleichen.

Checkliste

  1. Verschaffe dir einen Überblick über deine Einnahmen und Ausgaben
  2. Optimiere und plane deine Ausgaben.
  3. Entscheide, wie viel Geld du sparen kannst.
  4. Eröffne ein Depot bei der Bank deiner Wahl.
  5. Vergleiche ETFs über Portale wie Justetf oder Trackingdifferences.
  6. Entscheide dich für einen ETF und erstelle einen Sparplan.

Hast du Fragen oder Anmerkungen? Schreib es mir gerne in die Kommentare! Wenn du keinen Beitrag mehr verpassen willst, folg mir gerne auch auf Instagram.

Meine Sparpläne #September.2020
Nachdem wir uns im letzten Beitrag damit beschäftigt haben, warum du (k)einen …
Aktiensparplan – Warum du (k)einen brauchst
Wie du in meinen letzten Depot-Updates schon mitverfolgen konntest, investiere ich monatlich …

2 Kommentare zu „Schon als Student Geld anlegen? – Vermögensaufbau im Studium

  1. Toller Beitrag! Ich bin voll und ganz deiner Meinung. Je früher desto besser. Viele Studenten beschäftigen sich leider gar nicht erst mit diesem Thema. Dabei ist der Zinseszinseffekt der beste Freund eines jeden Studenten. Schick dein Geld arbeiten, während du studierst. Dabei kann man auch erst einmal kleine Brötchen backen. Für meine Patenkinder investiere ich seit deren Geburt 30 Euro im Monat (auch als ich noch studiert habe). Wenn sie volljährig sind, kommt da ein schönes Sümmchen zusammen.

    LG und einen schönen Samstag
    Raphael

    1. Hallo Raphael,

      dein Kommentar wurde irgendwie in den Spam Ordner geworfen, darum kommt meine Antwort so spät 🙂
      Für die Patenkinder zu sparen ist auf jeden Fall richtig klasse. Eines Tages werden die natürlich große Augen machen, über so viele Jahre kommt mit 30€ im Monat schon eine ganze Menge Geld zusammen. Bei ca. 7% jährlich müssten es ungefähr 13.000 € vor Steuern sein. Für was für einen Sparplan hast du dich den entschieden?

      LG
      Kevin

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