Sind Dividendenaktien Renditekiller im Depot?

Renditekiller

In diesem Beitrag möchte ich mich ein weiteres Mal mit den Dividendenaktien auseinandersetzen. Im vorherigen Beitrag habe ich dir bereits die Dividendenstrategie und den genauen Mechanismus einer Dividende vorgestellt. Da ich dort vor allem die Vorteile von Dividendenaktien hervorgehoben habe, möchte ich heute untersuchen, was vielleicht gegen den Kauf solcher Aktien sprechen könnte und warum sie sogar zu einem Renditekiller in deinem Depot werden können.

Inhaltsverzeichnis

Kurze Zusammenfassung – Dividende

Gucken wir uns zuerst an, was wir bereits über die Dividende und die Dividendenstrategie wissen:

  • Die Dividende ist eine freiwillige Leistung eines Unternehmens und wird auf der Hauptversammlung beschlossen. Es gibt also keine Garantie für eine Dividende, wie es etwa bei einem Zins der Fall ist.

Wird eine Dividende gezahlt, so wird das Geld aus der Kasse des Unternehmens genommen. Der Aktienkurs sinkt daher im Moment der Dividendenzahlung um genau den Wert der Dividende, die pro Aktie ausgeschüttet wird.

Bei einer Dividendenstrategie werden bevorzugt Aktien gekauft, für die bisher eine besonders hohe und vor allem regelmäßige Dividende gezahlt wurde. Ich spreche an dieser Stelle absichtlich nicht von „der“, sondern von „einer“ Dividendenstrategie, da es auch hier unterschiedliche Herangehensweisen und Modelle gibt, auf die ich später genauer eingehen werde.

Viele Dividendenaktien verbessern den Cash- Flow in deinem Depot, da du regelmäßig Zahlungen erhälst.

Die Gelder, die für die Dividendenausschüttung benötigt werden, stammen aus der Firmenkasse und mindern die Liquidität des Unternehmens.

Weniger Geld für Entwicklung und Innovation

Aus dem gerade angesprochenem Punkt resultiert offensichtlich, dass ein Unternehmen weniger Geld zur Verfügung hat, um seine Position am Markt zu sichern und auszubauen.

Bei der Analyse von dividendenstarken Aktien spielt aus diesem Grund die Ausschüttungsquote eine elementare Rolle. Wird mehr als 50% des Jahresüberschusses an die Aktionäre ausgezahlt, bleiben dem Unternehmen mit hoher Wahrscheinlichkeit zu geringe finanzielle Mittel für den eigenen Erhalt. Im schlimmsten Fall nimmt ein Unternehmen Schulden auf, um die Aktionäre zufrieden zu stellen. Das eine solche Entwicklung nicht auf lange Dauer gut gehen kann, versteht sich von selbst.

Mehr Cash-Flow im Depot = weniger Rendite?

Natürlich kann es ein Vorteil für dich sein, regelmäßig Geld aus deinen Aktien zu erhalten, vor allem wenn du auf regelmäßige Zahlungen angewiesen bist, um davon zu leben. Solltest du die Dividende allerdings nicht nutzen und planst eine Reinvestition, dann sei dir bewusst, dass du den Zinseszins bremst.

Die ausgezahlte Dividende muss direkt versteuert werden. Daher kann nicht mehr die gesamte Summe für dich arbeiten und deine Rendite fällt langfristig geringer aus. Grundsätzlich gilt: Je später du Gewinne an der Börse versteuerst, desto geringer wird die effektive Steuerlast (Steuerstundungseffekt).

Allerdings gilt das erst, wenn deine steuerfreien 801 € bereits genutzt wurden. Solltest du diese Summe im Jahr noch nicht überschreiten, musst du auf deine Kapitalerträge keine Steuern zahlen.

Tipp: Bei den meisten Banken kannst du einen Freistellungsauftrag einrichten. Durch diesen werden erst ab Kapitalerträgen von über 801€ (verheiratete Paare 1602€) Steuern abgezogen. Ansonsten musst du auf deine Steuererklärung im nächsten Jahr warten.

Dividendenaktien bieten eine geringere Diversifikation

Da es insgesamt nur sehr wenige wirklich gute dividendenstarke Aktien gibt, ist auch eine breite Streuung sehr schwierig umzusetzen. In verschiedenen ETFs werden dividendenstärkere Unternehmen gesammelt. Hier kann die Diversifikation etwas verbessert werden, wenn der Fokus nicht nur auf Unternehmen liegt, die ihre Dividende seit 25 oder mehr Jahren steigern.

Ein Modell zur Umsetzung einer Dividendenstrategie ist die Strategie nach O’Higgins. Bei dieser Strategie suchst du dir die stärksten Dividendenaktien aus einem Aktienindex wie dem Dow Jones und investierst in diese ein Jahr. Danach wiederholst du den Prozess entsprechend. Ziel soll es sein, den Markt dadurch langfristig zu schlagen.

Hohe Dividenden bedeuten Sicherheit?

Nur weil eine Aktie eine hohe Dividendenrendite aufweist, ist das Unternehmen nicht gleich sicherer. Auch stark fallende Kurse können die Dividendenrendite nach oben drücken. Für die TUI- Aktie zum Beispiel wird momentan eine Dividendenrendite von 11.05 % gelistet. Als Grundlage dient die zuletzt gezahlte Dividende und der aktuelle Kurs. Da das Unternehmen durch Corona stark unter die Räder gekommen ist, fiel der Kurs entsprechend rapide nach unten.

Sollten die Gewinne der nächsten Jahre geringer ausfallen, wird sich das auch auf die Dividende auswirken. Gleichzeitig wird bei steigenden Kursen das prozentuale Verhältnis zur bisherigen Dividende wieder geringer. Solche enormen Dividendenrenditen sind also selten von Dauer. Erst wenn eine gewisse Regelmäßigkeit zu beobachten ist, steigt die Wahrscheinlichkeit einer sicheren Dividende.

Natürlich kann auf die Unternehmenszukunft spekuliert werden. Der Kauf einer Aktie, für die schon lange eine gute Dividende gezahlt wurde und die gerade günstig zu haben ist, kann auch langfristig für eine enorme Rendite sorgen.

In einem solchen Fall musst du versuchen, den Grund für den Wertverlust zu finden. Sollte sich das Unternehmen nicht erholen, wird es auch mit der Dividende eng. Zudem soll es an dieser Stelle um die Sicherheit gehen und die sinkt natürlich zugunsten der Renditechancen.

Möchtest du mit deiner Dividende wirklich auf Nummer sichergehen, dann solltest du Unternehmen in dein Depot holen, die schon viele Jahre eine steigende Dividende ausschütten. Außerdem sollte das Unternehmen durch Patente so weit abgesichert sein, dass seine Position am Markt gesichert ist.

Unterschiedliche Modelle der Dividendenstrategie

Wie eingangs schon beschrieben, gibt es nicht „die eine“ Dividendenstrategie. Der größte Schnittpunkt aller Strategien ist das Kaufen von Aktien mit soliden Dividenden. Hinsichtlich der Bewertung und der Auswahlkriterien können allerdings ganz unterschiedliche Herangehensweisen betrachtet werden.

So konzentrieren sich einige Investoren nur auf die dividendenstärkeren Aktien eines Leitindizes (vgl. O’Higgins) und andere nur auf Dividendenaristokraten, die ihre Dividende bereits seit vielen Jahrzehnten regelmäßig auszahlen und erhöhen.

Hier ein paar Beispiele zu dividendenstarken Aktien:

UnternehmenDividendenrendite 2020eKurs + Div. 5 Jahre
Imperial Brands10,33 %– 46,7%
McDonald’s2,6%75,8%
J&J3,0%52,7%
3M3,64%18,9%
Walt Disney0,67%13,1%
Dividendenunternehmen 2020, Quelle finanzen.net

Imperial Brands habe ich aufgenommen, um ein Beispiel für ein Unternehmen mit großer Dividendenrendite und schwachem Kurs zu präsentieren. Hier ist natürlich für kurze Zeit viel Dividende zu erwarten, sollte sich das Unternehmen weiter abbauen, wird die Dividende langfristig sinken. Für August ist bereits eine Kürzung der Dividende um ein Drittel im Vergleich zum Vorjahr ausgewiesen.

Hier findest du eine spannende Umfrage-Auswertung zu Dividendenaktien aus q3 2020 für weitere dividendenstarke Aktien.

ETF vs. Div. ETF

Um bewerten zu können, ob der Kauf von Dividendenaktien grundsätzlich eine schlechtere Rendite bedeutet, möchte ich im Folgenden ETFs verschiedener Indizes mit Div. ETFs vergleichen, die sich auf die dividendenstarken Werte des selbigen Index beziehen.

Div. DAX

Blaue Line: Div.Dax, Schwarze Linke: Dax, Quelle

Im Div. DAX sind die 15 größten Dividendenzahler des DAX enthalten. Im Vergleich der letzten 5 Jahre ist der Div. DAX tatsächlich etwas besser gelaufen. Trotzdem möchte ich diesen hier nur als Beispiel vorstellen. Grundsätzlich finde ich einen ETF mit 15 Aktien zu schlecht diversifiziert. Zudem lief er zwar besser als der Dax, dennoch sind 25% in 5 Jahren unter dem Durchschnitt.

FTSE All-World High Dividend Yield Index

Schwarze Line: MSCI world vs. Blaue Linie: FTSE All-World High Dividend Yield Index Quelle

Hier habe ich mal einen ETF auf den MSCI- world mit 1600 Aktien gegen den FTSE All-World High Dividend Yield Index aufgetragen. Auch diesem Index liegen 1600 Aktien zugrunde. Die Auswahl richtet sich nach den stärksten Dividendenzahlern weltweit.

Der Vergleich zwischen 2014 und 2020 zeigt, dass sich die beiden ETFs fast 30% voneinander entfernt haben. Allerdings kann der FTSE All-World High Dividend Yield Index mit stolzen 4% Dividendenrendite punkten. Interessiert dich das Thema Dividenden- ETFs? Hier findest du einen weiteren spannenden Artikel.

Fazit

Sind Dividendenaktien also Renditekiller? Wir haben uns in diesem Beitrag hauptsächlich mit möglichen Nachteilen von Dividendenaktien und der Dividendenstrategie beschäftigt. Grundsätzlich möchte ich keine Herangehensweise an der Börse schlecht reden, da es immer eine Frage der Umsetzung ist. Ein Portfolio aus dividendenstarken Aktien mit mäßig steigendem Kurs kann ein Wachstumsportfolio durchaus schlagen. Sind die Dividendenrenditen hoch, der Kurs fällt über die Jahre aber immer weiter, dann wird die Gesamtbilanz aus Kurs und Dividende wahrscheinlich weniger gut abschneiden.

Darüber hinaus ist es auch eine Sache des Geschmacks. Nicht jeder Investor kommt mit starken Schwankungen im Depot klar, oder ist auf eine regelmäßige Auszahlung angewiesen.

Ich für meinen Teil orientiere mich weniger an der Dividende, die ein Unternehmen ausschüttet, als am Geschäftsmodell, meinen Erwartungen und dem bisherigen Wachstum. Darum habe ich zwar viele kleine mDAX und sDAX Unternehmen im Depot, aber auch Disney und Microsoft. Die Dividende ist in dem Fall für mich eher ein kleiner Bonus.

Einen Dividenden ETF habe ich bisher noch nicht im Depot und dazu wird es wahrscheinlich auch erst mal nicht kommen. Ich bin nicht auf regelmäßige Zahlungen angewiesen und mit den klassischen MSCI- world, mDAX und MSCI EM ETFs sehr zufrieden. Durch den günstigen Einstieg liege ich mit dem mDAX ETF inzwischen sogar bei +36%, womit ich natürlich beim Kauf im März niemals gerechnet habe.

Hast du meinen letzten Beitrag schon gelesen? Dort habe ich eine interessante Studie angeführt, nach der Dividendenaktien langfristig sogar besser laufen.

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