Börsenmechanismus – So funktioniert die Börse

Wie funktioniert eigentlich die Börse?

Was ist eigentlich gemeint, wenn von der „Börse“ gesprochen wird? Bevor wir uns in der Börsenakademie mit konkreten Finanzprodukten beschäftigen, möchte ich an erster Stelle einige fundamentale Fragen und Theorien über das Geschehen an der Börse mit dir diskutieren. Im Fokus stehen dabei die Erwartungen der Anleger und ihre Rolle im Börsenmechanismus. Einige dieser Gedanken habe ich bereits in anderen Beiträgen angesprochen, möchte aber im Rahmen der Börsenakademie noch mal die wichtigsten Aspekte aufgrund ihrer Wichtigkeit herausarbeiten.

Table of Contents

Was ist überhaupt der Markt?

Nach der klassischen volkswirtschaftlichen Definition ist der Markt ein Ort oder eine Institution, an dem Verkäufer und Käufer aufeinandertreffen, um Güter oder Dienstleistungen für einen bestimmten Preis zu handeln. Der Marktmechanismus funktioniert durch das Wechselspiel der drei Faktoren: AngebotNachfrage und Preis. Die Preisbildung ist hier das Produkt der anderen beiden Faktoren und funktioniert damit automatisch und führt zu einem ständigen Ausgleich.

Und welcher Zusammenhang besteht jetzt zwischen der Börse und dem Markt? Die Börse ist nichts anderes, als ein weitestgehend digitaler Marktplatz, an dem Verkäufer und Käufer von Vermögenswerten aufeinandertreffen. Aus dem ehemaligen Parketthandel, der vor allem durch die wilden Szenen in alten Filmen an der New Yorker Börse bekannt geworden ist, hat sich ein digitaler und extrem schneller Markt entwickelt, der in Sekundenbruchteilen neue Informationen einpreist und verarbeitet.

Gehandelt werden hier Aktien, Anleihen, Währungen oder Rohstoffe. Im Gegensatz zu einem physischen Marktplatz wie etwa einer Markthalle, wird der Handel an der Börse nicht direkt zwischen Käufern und Verkäufern betrieben, sondern über einen Broker, der einem potentiellen Käufer Zugang zu den unterschiedlichen Börsen gewährt.

Folglich werden an der Börse potentielle Anleger, die ihr Geld an der Börse anlegen wollen und Unternehmen, die ihr eigenes Kapital aufstocken wollen, zusammengeführt. Damit erfüllt die Börse eine elementare volkswirtschaftliche Funktion und ist in unserer modernen Gesellschaft nicht wegzudenken.

Wir wissen jetzt also, dass wir als Anleger an der Börse die Möglichkeit haben, verschiedene Finanzprodukte zu einem bestimmten Preis zu erwerben. Doch wie können wir Annahmen darüber treffen, ob der Preis steigt oder fällt?

Können wir den Preis an der Börse vorhersehen?

Über die Preisbildung an der Börse herrscht unter den Privatanlegern großes Missverständnis. Der naive Glaube, die Börse würde sich nur an Zahlen, Daten oder Fakten orientieren, ist schlichtweg falsch und wird zu fatalen Verlusten führen.

Ich möchte hierzu kurz Bezug auf den Artikel „Chaostheorie – Warum Prognosen so schwierig sind …“ von Luis Pazos (24.03.2018) nehmen. Die Faszination der Börse liege, so Pazos, in ihrem Kontrast zwischen Ordnung und Chaos. Da es sich bei der Börse um eine soziale Ordnung und damit um ein kybernetisches System handele, seien auch charttechnische Analysen und Voraussagen über den Verlauf von Kursen nicht möglich.

Treten Vorhersagen über den Verlauf börsengehandelter Produkte ein, suggeriert dies einem Händler ein trügerisches Gefühl von Kontrolle über den Markt, die er nicht hat. Die nicht- Berechenbarkeit von Kursen wird von Pazos anhand der Weltformel anschaulich dargelegt. Wer sich für nähere Inhalte interessiert, findet hier den vollständigen Artikel.

Aus finanzmathematischer Sicht ist es demnach nicht möglich, auf Grundlage von Daten aus der Vergangenheit Schlüsse auf zukünftige Entwicklungen zu ziehen. An dieser Stelle würde mir natürlich jeder Chartanalyst widersprechen sowie jedes „Daytrader- Buch“ in meinem Regal, dennoch möchte ich für mich selbst festhalten, dass eine korrekte und rein faktische Analyse ohne Spekulation nicht zielführend ist.

Doch woran können Börsenentwicklungen festgemacht werde? Betrachten wir dazu zunächst, wie Kurse an der Börse zustande kommen.

Wie kommt der Kurs an der Börse zustande?

Nachdem wir festgestellt haben, dass Kurse nicht berechnet werden können, stellt sich die Frage, warum Kurse überhaupt fallen und steigen und was einen Käufer zum Kauf und einen Verkäufer zum Verkauf veranlasst? Um diesen Prozess verstehen zu können, müssen wir einen Blick von der psychologischen Seite wagen.

Dafür zuerst ein Beispiel: Eine Aktie steht in ihrem Kurs bei 100 Euro, demnächst werden die Quartalszahlen veröffentlicht. Die Prognose der Aktiengesellschaft liegt bei einem Anstieg von 5% des Umsatzes im Vergleich zum Vorjahr. Über das Quartal wurden immer wieder positive Berichte über das Unternehmen veröffentlicht und der Kurs steigt bis zum Tag der Veröffentlichung der Zahlen auf 105 Euro an. Am folgendem Tag veröffentlicht das Unternehmen die Zahlen und kann sogar einen Anstieg von 2% über den eigenen Prognosen vorweisen. Trotzdem fallen die Kurse in kurzer Zeit auf 95 Euro. Ein weiteres Unternehmen muss in dem Quartal einen Verlust von 10 % melden, doch die Kurse beginnen schnell zu steigen.

Für einen Neuling an der Börse ist dieses Phänomen zuerst unverständlich. Schließlich war das Ergebnis vom ersten Unternehmen positiv und sogar oberhalb der eigenen Einschätzungen, während das zweite Unternehmen einen Verlust melden musste. Wodurch können diese Kursbewegungen erklärt werden?

In diesem Fall wurden die Erwartungen der Anleger außer Acht gelassen. Wenn die Anleger im Vorfeld nicht von 5 % oder 7% Wachstum, sondern von 10% ausgingen, konnten ihre Erwartungen nicht erfüllt werden. Andersrum gingen die Anleger im Fall des zweiten Unternehmens von wesentlich höheren Verlusten aus und hatten daher wesentlich niedrigere Erwartungen an die Quartalszahlen. Trotz roter Zahlen, übertraf das Ergebnis also die vorherigen Erwartungen.

Ausschlaggebender Faktor für das Steigen und Fallen der Kurse sind also keineswegs die Zahlen, sondern die Erwartungen der Anleger über zukünftige Prozesse und Entwicklungen.

An der Börse werden die Erwartungen über die Zukunft gehandelt

Diese Erkenntnis ist elementar für das Verständnis von Kursen und Kursbewegungen und sollte immer berücksichtigt werden. Sichtbar wird der Effekt vor allem bei kleinen Unternehmen, die nur aufgrund der Erwartungen der Anleger in die Höhe schnellen und für Milliarden an der Börse gehandelt werden, obwohl sie noch kein Produkt produziert haben (Beispiel Nikola Motors). Ein Verständnis solcher Bewegungen, bedarf also das Lösen von der Vorstellung, Entscheidungen seien immer rational determiniert.

Folglich ist es sinnlos zu versuchen, eine gelesene Nachricht als Handlungsgrundlage für eine Kaufs- oder Verkaufsentscheidung heranzuziehen. In dem Moment, wenn du eine Nachricht erhältst, hat der Markt bereits darauf reagiert und die Information eingepreist.

Sind Erwartungen messbar?

Der Handel an der Börse oder der Dark Pool Handel erfolgt durch einander unbekannte Händler. Informationen können unter diesen Voraussetzungen nur durch die Veränderungen von Kurs und Volatilität gewonnen werden. Da die Börse, wie wir bereits festgestellt haben, allerdings ein zukunftsbasierter Handelsplatz ist, sind die Informationen unzureichend. Sie ermöglichen keine Erkenntnis darüber, wie andere Händler in Zukunft handeln werden, sondern nur eine Rekonstruktion derjenigen Erwartungsprozesse, die in einem Handel mündeten.

Im medialen Kontext hat sich inzwischen die „Erwartung“ als Erklärung jeglicher Dynamik in den Kursen etabliert. Zwar hilft eine grundsätzliche Zuordnung von marktspezifischen Prozessen und Erwartungen, Einblicke zu gewinnen, doch können diese dadurch eben nicht erklärt werden.

Deine Learnings

Fassen wir abschließend noch einmal kurz zusammen, was du bis hier her mitgenommen haben solltest.

Im Grunde ist es für dich bisher nicht notwendig, jede Feinheit an der Börse zu kennen, da wir einen passiven und langfristigen Ansatz verfolgen. Dennoch finde ich es wichtig, dir wenigstens ein Grundverständnis der Marktprozesse zu vermitteln.

Wissen solltest du:

  • Dass die Börse ein digitaler Marktplatz ist, an dem Käufer über einen Broker Finanzprodukte jeglicher Art in Sekundenbruchteilen erwerben können.
  • Die Preisentwicklung an der Börse kann nicht berechnet werden, Vorhersagen sind dadurch nicht möglich.
  • Maßgeblich für die Entwicklung an der Börse sind die Erwartungen über zukünftige Entwicklungen.

Nach den Grundlagen können wir im nächsten Modul direkt mit einem konkreten Finanzprodukt weitermachen.


Hat dir der Beitrag gefallen oder sind noch Fragen offen geblieben? Dann lasse gerne einen Kommentar da und folge mir auf Instagram, um immer auf dem Laufenden zu bleiben!

Disclaimer: Auf Finanzideen100 wird die eigene Meinung des Autoren geteilt. Es handelt sich weder um eine Kaufempfehlung der genannten Produkte, noch um eine Anlageberatung. Die Inhalte sind nach bestem Wissen und Gewissen recherchiert, erheben aber keinen Anspruch auf Richtigkeit oder Vollständigkeit.


Hier geht es direkt zum nächsten Modul!


Kommentar verfassen

Blog
Kevin Gößmann

Lyxor New Energy – Erneuerbare Energien fürs Depot?

Lyxor New Energy – Erneuerbare Energien fürs Depot? Nachdem ich dir im letzten Beitrag das Potential von erneuerbaren Energien und einige Aktien aus dem Bereich vorgestellt habe, möchte ich  heute einige ETFs mit dir unter die Lupe nehmen, die diesen Sektor abdecken (oder es zumindest behaupten).  Die Wahl eines ETFs hat den Vorteil, dass wir

Weiterlesen »
Blog
Kevin Gößmann

Erneuerbare Energien 2021 ein Investment?

Erneuerbare Energien 2021 ein Investment? Nach dem starken Boom 2020 korrigieren momentan viele Aktien aus dem Bereich der erneuerbaren Energien. Lohnt sich jetzt ein Investment, oder werden die Kurse weiter fallen? Um zu einer fundierten Einschätzung zu kommen, werden wir uns im Folgenden kurz den aktuellen globalen Entwicklungsstand und die Prognosen zur weiteren Verbreitung von

Weiterlesen »
Blog
Kevin Gößmann

Automatisch sparen mit der Rubarb App?

Automatisch sparen mit der Rubarb App? Ganz einfach über eine App sparen? Mit der Rubarb App wird für jede Buchung auf deinem Girokonto die Differenz deiner Transaktion zum nächsten vollen Euro automatisch investiert. Aber lohnt sich das wirklich? Im Folgenden möchte ich dir anhand meiner Erfahrungen zeigen, wann du von der App profitieren kannst und

Weiterlesen »
Mein Portfolio
Kevin Gößmann

Depotupdate März.2021

Depotupdate März 2021 Der März ist Geschichte und damit wird es wieder Zeit für ein Update aus meinem Portfolio. Die letzten Wochen waren nicht leicht, Tech-Werte wurden hart abgestraft und Value-Werte drücken die Indizes nach oben. Da ich hauptsächlich in small und mid Cap investiere, ging es auch in meinem Portfolio ein wenig nach unten.

Weiterlesen »
Mein Portfolio
Kevin Gößmann

Depotupdate Februar.2021

Depotupdate Februar 2021 „An der Börse sind 2 mal 2 niemals 4, sondern 5 minus 1. Man muss nur die Nerven haben, das minus 1 auszuhalten“ André Kostolany. Nach einem recht volatilen Januar begann der Februar mit einem steilen Anstieg. Wahrscheinlich war es der größte Anstieg den ich in den letzten 12 Monaten überhaupt erleben

Weiterlesen »
Blog
Kevin Gößmann

Umgang mit dem Rücksetzer und CCIV Verkauf

Umgang mit dem Rücksetzer und CCIV Verkauf Hallo liebe Leserinnen und Leser, heute möchte ich euch einen kleinen Einblick in meine aktuelle Lage geben und erklären, wie ich mit dem aktuellen Geschehen an der Börse umgehe. Wie viele von euch selbst erfahren mussten, sind die Kurse einiger Aktien in den letzten Tagen massiv eingebrochen und

Weiterlesen »
Inhalte werden geladen

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: