ETFs vergleichen und finden

Willkommen zum sechsten Modul der Börsenakademie! Es freut mich, dass du bis zu diesem Punkt durchgehalten hast und nun kurz vor dem Beginn deiner ersten ETF- Sparplanausführung stehst.

Fassen wir noch einmal kurz in einigen Worten zusammen, was du bis zu diesem Punkt mitgenommen hast: Deine Finanzen sind inzwischen geordnet und eine an deine individuellen Voraussetzungen angepasste Kontenstruktur wurde aufgebaut. Zudem wurde ein Depot für den Börsenhandel erstellt.

Du weißt also genau, wie viel Geld du sparen kannst und kennst bereits ETFs als Vertreter der passiven Indexfonds. Genau mit diesen ETFs wollen wir uns in diesem Modul weiter auseinandersetzen.

Im Laufe dieses Moduls werde ich gemeinsam mit dir einen ETF auf den MSCI- World finden, der sich in Kosten und Performance von den anderen abhebt und sich gut in dein persönliches Investmentprofil eingliedert.

Inhaltsverzeichnis

ETF-Suche

Fangen wir direkt an mit unserer Suche. Eines der nützlichsten Tools bei der ETF- Suche ist die Seite von justETF. Mit dieser Website werden wir im Folgenden hauptsächlich arbeiten.

Die Startseite sieht wie folgt aus:

JustETF.com

Oben siehst du eine Suchzeile, in der du einen Namen wie den MSCI- World, aber auch die ISIN oder WKN des jeweiligen ETFs eingeben kannst (letztere sind spezielle Identifikationsnummern).

Für den ersten Überblick kannst du also „MSCI- World“ in die Suchzeile eingeben. Auf diese Suchanfrage werden dir nun 98 Ergebnisse angezeigt. Durch die Wahl „Indexauswahl -> MSCI- World“ wird die Auswahl auf nur noch 17 Ergebnisse reduziert.

Vergleichskriterien für ETFs

Justetf, Tabelle

Bevor wir die Suche durch Filter weiter einschränken, werfen wir erst einmal einen Blick auf die ersten Vergleichskriterien, die uns geboten werden. Dafür orientieren wir uns an der angezeigten sechsspaltigen Tabelle.

Neben den Fondsnamen (1) in der ersten Spalte ist eine kleine Abbildung des Charts (2) zu erkennen. In der dritten Spalte wird die Währung (3) angegeben, in der die Ausschüttung des Fonds erfolgt. Hier solltest du auf eine Ausschüttung in „Euro“ achten, da es sonst durch die Wechselkursschwankungen zu Verlusten kommen kann.

Weiter rechts steht die jeweilige Größe (4) der Fonds. Als Untergrenze der Fondsgröße nehme ich persönlich die 100 Mio. Marke. Allerdings wird auch oft eine 500 Mio. Grenze herangezogen.

In der fünften Spalte wird der TER Wert (5) angegeben. Das ist die Gesamtkostenquote des Fonds, die sich durch Gebühren und anfallende Kosten ergibt. Der TER für ETFs ist grundsätzlich schon sehr gering. Natürlich sollte die TER- Quote möglichst niedrig sein, doch musst du dich von einem ETF nicht abschrecken lassen, der in allen Punkten mit deinen Wünschen übereinstimmt, in der TER-Quote aber 0,2% teurer ist, als die anderen ETFs (solange es nicht einen identischen ETF mit geringeren Kosten gibt).

In der letzten Spalte siehst du die Performance (6) der vergangenen 12 Monate. Im Grunde können wir hier wenig entnehmen, da alle ETFs in der Suche den gleichen Index replizieren und damit auch immer ähnliche Werte annehmen.

Um die Auswahl jetzt weiter einzugrenzen, benutzten wir die Filter auf der linken Seite.

Filteranpassung

Die erste interessante Funktion ist der Filter „Sparplanfähige ETF„. Ein sparplanfähiger ETF kann periodisch bespart werden. Meistens wird ein monatlicher Intervall gewählt, allerdings sind auch z.B. vierteljährliche Invtervalle möglich. Ein solcher Sparplan soll von dir am Ende der Börsenakademie eingerichtet werden. Welche Vorzüge ein Sparplan im Vergleich zu Einmalinvestitionen hat, erfährst du im nächsten Modul.

Doch so viel schon an dieser Stelle: In einem Sparplan kaufst du Aktien für einen bestimmten Wert und bist nicht primär an die Stückelung der Aktien gebunden. Wenn du also eine einzelne Aktie für 20 Euro erwerben kannst, könntest du normalerweise nur in 20€ Schritten investieren. Durch den Sparplan kannst du auch 1.5, 3.78 oder nur 0.3 Anteile an einer Aktie kaufen. Je nachdem wie teuer eine Aktie gerade ist und wie hoch die Anlagesumme ausfällt.

Unter „Sparplanfähige ETFs“ kannst du jetzt deine Bank suchen, bei der du dein Depot eröffnet hast. Da ich mich an dieser Stelle auf keine Bank beschränken möchte, lasse ich diese Position unausgefüllt.

Ausschüttungsquote

Der nächste wichtige Vergleichspunkt ist die Ausschüttung. Als Wahlmöglichkeit besteht „ausschüttend“ und „thesaurierend“. Entscheidest du dich für einen ausschüttenden ETF, wird die Dividende des ETFs in bestimmten Intervallen an dich ausgeschüttet.

Der thesaurierende ETF hingegen legt seine Gewinne direkt in Anteilen an, ohne dass die Gewinne direkt versteuert werden. Allerdings wird eine jährliche Vorabpauschale fällig. Das thesaurierende Sparen führt natürlich langfristig zu einem höheren Zinseszins- Effekt. Wenn du dich dann irgendwann dazu entscheiden solltest, deinen ETF aufzulösen, musst du die gesamten Gewinne versteuern. Grundsätzlich werden Gewinne mit 25% Kapitalsteuer, Soli. und ggf. Kirchensteuer versteuert.

Ich selbst tendiere eher zu direkten Dividendenzahlungen, um den Cashflow in meinem Depot zu verbessern und die erzielte Dividende ggf. in andere Finanzprodukte zu investieren, oder ein Rebalancing meiner Kapitalanlagen vornehmen zu können (Wiederherstellen der ursprünglichen Verteilung auf die verschiedenen ETFs. Zum Beispiel 70% MSCI-world, 30% MSCI EM). Gleichzeitig kann ich den Sparerpauschbetrag jedes Jahr voll nutzen und Teilgewinne versteuern. Ein ausführlicher Artikel zur Besteuerung von Fonds folgt.

Mit diesen Filtern und dem Filter Fondgröße auf min. 100 Mio., wird die Auswahl schon wesentlich geringer (hier ausschüttender ETF):

Ausschüttende ETF, JustETF

Für den MSCI- world bleiben jetzt also noch neun ETFs zur Auswahl. Drei davon legen ihren Wert in Euro an und sechs in Dollar. JustETF hat an dieser Stelle automatisch einen ETF hervorgehoben – den Lyxor MSCI World ETF. Mit einer TER von 0,30% gehört er allerdings schon zu den teureren der vorhandenen ETFs. Dafür ist er mit einem Volumen von 2.835 Mio. besonders groß und schneidet in der Performance ein wenig besser ab als der Deka MSCI World.

Gucken wir uns den Lyxor jetzt mal im Detail an:

Lyxor MSCI World, JustETF, 11.2020

Hier werden uns genauere Informationen über den gewählten ETF angezeigt.

Replikationsmethoden

Die Replikationsmethode eines ETFs gibt an, wie genau der Aktienindex nachgebaut wird. Es wird unterschieden in die physische- , die sampling- und die synthetische- Replikation.

Bei der phyischen Replikation kauft der ETF genau die gleichen Werte, die im zu replizierenden Aktienindex enthalten sind. In ETFs wie dem deutschen Dax mit insgesamt 30 Aktien ist diese Methode einfach und günstig durchführbar. Für große Indizes wie den MSCI- world ist dies aber nicht in der Form realisierbar, da die Kosten für Werte mit minimalem Anteil am Index höher sind als ihr eigentlicher Wert.

Stattdessen kann in solchen Fällen die sampling Replikation genutzt werden. Hier wird nur in die größeren Aktien eines Indizes investiert, während kleine Anteile mit weniger Einfluss auf die Wertentwicklung nicht gekauft werden. Dadurch können die Kosten dieser Anteile eingespart werden.

Die synthetische Replikation als letzte Variante basiert auf sog. Swap-Geschäften. Die Investitionen müssen hier nicht zwangsläufig in Werte des Aktienindex laufen. Erst durch den Tausch von gegenläufigen Zahlungsströmen wird die Nachbildung des Index gewährleistet. Für Kleinanleger ist es eigentlich unerheblich, welche Replikationsmethode dem ETF zugrunde liegt.

ETF- Tracking Error

Viel interessanter ist das Tracking Error, also die Abweichungen in der Performance zwischen dem ETF und dem Aktienindex. Die größte Abweichung ergibt sich für die sampling Replikation, da hier wie gesagt nicht alle Aktien im ETF enthalten sind. Die geringsten Abweichungen weisen eher die synthetisch replizierten ETFs auf. Über Trackingdifferences können wir die Abweichungen der MSCI-world ETFs vergleichen (einen Beitrag zur Tracking Differenz findest du hier).

Der Lyxor ETF liegt mit einem Durchschnitt von 0,04 im oberen Bereich und weist nur geringe Abweichungen auf. Damit passt auch diese Kennzahl zu unseren Vorgaben.

Der grundsätzliche Gedanke beim Vergleich der Trackingdifferenzen sollte sein, welcher ETF bringt mir durch seine geringere Abweichung zum Index die beste Rendite. Hier lohnt sich auch ein Vergleich der durchschnittlichen Renditen der ETFs in den letzten Jahren.

Nur anhand der Trackingdifferenz ist der Xtracker MSCI World am rentabelsten. Auch sein TER ist besser als das des Lyxor ETFs. Wie wir aus dem ersten Vergleich allerdings wissen, ist die Fondswährung aber eine andere. Der Xtracker ist Dollar basiert und unterliegt damit dem Wechselkurs Dollar/Euro.

Fondsdomizil

Auch dieser Punkt ist für den Kleinanleger von untergeordneter Bedeutung. Die gängigen Domizile sind Irland oder Luxemburg aufgrund der steuerlichen Vorteile. Allerdings sind auch Frankreich oder Deutschland möglich, so wie es beim Lyxor der Fall ist. Wesentlicher Unterschied ist die Besteuerung auf die Erträge. Liegt der Fonds in Deutschland, werden die Steuern direkt verrechnet. Ansonsten musst du die Steuern über deine Steuererklärung nachzahlen.

Fazit

Zum Schluss möchte ich noch einmal die wichtigsten Vergleichskriterien aufgreifen, an denen du die Qualität eines ETFs festmachen kannst:

  • Fondsgröße > 100 Mio. Euro besser >500 Mio. Euro
  • TER möglichst gering
  • Tracking Differenz möglichst gering
  • Replikationsmethode: Möglichst physisch (ggf. sampling)
  • Fondswährung: Möglichst Euro
  • Ausschüttung: Thesaurierend oder ausschüttend
  • Auflagedatum: Möglichst alt

In unserer Suche haben wir folgenden ETF (ausschüttend) gefunden:

Lyxor MSCI World UCITS ETF – Dist ISIN FR0010315770, WKN LYX0AG

Ggf. hast du in deiner Suche andere Einstellungen getroffen (zum Beispiel eine bestimmte Bank) und dadurch einen anderen ETF herausgearbeitet. Diesen gilt es nun in einen Sparplan bei dem Broker deiner Wahl zu besparen.

Anschließend an diesen Beitrag empfehle ich dir den Artikel „ETFs- die unsichtbaren Kosten„.


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Hier geht es direkt zum nächsten Modul!


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