Die Moral beim Aktienhandel

Entspricht mein Verhalten an der Börse meinen moralischen Grundsätzen, oder handele ich vielleicht sogar unmoralisch? Diese Frage habe ich mir in den vergangenen Tagen gestellt und möchte daher diesen Beitrag nutzen, um ganz allgemein die Moral an der Börse und mein eigenes Verhalten zu reflektieren.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Moral überhaupt?

Beginnen wir dafür zuerst mit einer grundsätzlichen Definition. Moral kommt von lat. „moralis“, was so viel heißt wie „die Sitte betreffend“. Im allgemeinen Gebrauch meint Moral ein System von Normen, das durch Regeln, Sitten, Werte oder Konventionen ausgemacht wird.

Die Etablierung eines solchen Normsystems kann nur durch ein vernunftbegabtes Lebewesen erfolgen. Tiere und Pflanzen sind nicht in der Lage moralisch zu handeln.

Weiterhin besteht der Anspruch einer allgemeinen Gültigkeit in einer Gemeinschaft. Sie muss also für jedes Mitglied gleichermaßen umsetzbar sein. Die Grenzen einer Gemeinschaft sind nicht weiter definiert. So kann eine Gruppe von Menschen, die Bevölkerung eines Landes oder eine einzelne Familie ihre eigenen Moralvorstellungen teilen. Unterhalb dieser Zusammenschlüsse können jedoch starke Differenzen auftreten, weshalb es keine universelle oder übergeordnete Moral gibt, die für alle Menschen eine Gültigkeit besitzt.

Der Geltungsbereich moralsicher Grundsätze kann auf jedes gesellschaftliche System bezogen werden. So können allgemeine moralische Grundsätze wie „das Töten von anderen Menschen ist schlecht“, gruppenorientierte Grundsätze wie „das Töten jeglicher Tiere ist schlecht“ oder individuelle Grundsätze unterschieden werden. Dabei ist eine Überschneidung der einzelnen Sphären in dem Sinne möglich, dass mehrere Gruppen die gleichen allgemeinen moralischen Grundsätze vertreten, aber einzeln in individuellen Aspekten betrachtet werden können.

In unserem Beispiel würde das bedeuten, dass die meisten Gruppen das Töten von Menschen aus moralischer Sicht nicht vertreten und eine Gruppe darüber hinaus auch das Töten von Tieren.

Entwicklung von Moral

Wie oben bereits angesprochen, können große Differenzen in den moralischen Grundsätzen verschiedener Gruppen auftreten. Maßgeblich beteiligt an der Prägung des Moralverständnisses ist das direkte Umfeld eines Menschen. Vor allem die Eltern nehmen in den ersten Lebensjahren starken Einfluss auf diesen Prozess. In späteren Jahren kommen noch Bildungsinstitutionen oder ggf. kirchliche Einrichtungen hinzu.

Ist die Börse grundsätzlich unmoralisch?

Bevor wir uns der handelnden Person an der Börse zuwenden, betrachten wir zuerst die Börse isoliert, da einige Menschen dazu neigen die Börse von Grund auf als „unmoralisch“ zu kategorisieren.

Was ist die Börse überhaupt? Wie du aus dem Beitrag „Börsenmechanismus“ bereits weißt, ist die Börse ein digitaler Markt. Ihre Aufgabe besteht hauptsächlich darin, Kapital für Unternehmen zu beschaffen und die Handelbarkeit der Unternehmensanteile (Aktien) zu ermöglichen.

Entscheidet sich ein Unternehmen dazu, an die Börse zu gehen, wird das Kapital durch Verkäufe während des IPOs eingesammelt. Dieses Kapital steht dem Unternehmen nun zur Verfügung und es kann für Entwicklung, Innovation, Neubau oder jegliche andere Zwecke genutzt werden.

Die Börse als solche ist also weder ein moralischer, noch ein unmoralischer Ort, da sie lediglich als Marktplatz bzw. Schnittstelle zwischen Unternehmen und Käufer fungiert. In diesem Sinne ist auch der Kauf von Aktien nicht grundsätzlich als unmoralisch zu betrachten.

„Unmoralische“ Aktien kaufen?

Kaufst du nun Aktien eines Unternehmens, die deinem eigenen Moralverständnis widersprechen, wie zum Beispiel Aktien aus der Waffenproduktion, dann erhält das Unternehmen durch deinen Kauf kein Geld.

Die Aktie wird lediglich zwischen Käufer und Verkäufer gehandelt. Das Unternehmen wird also keinen Cent reicher, wenn du Anteile erwirbst. Einen Vorteil durch einen erhöhten Aktienkurs kann das Unternehmen nur nutzen, wenn es neue Aktien ausgibt, um weiteres Kapital zu organisieren oder eigene Anteile für eine Akquisition nutzt.

Das ein stabiler Kurs keinen Vorteil für das Unternehmen in sich trägt, stimmt allerdings nicht zu 100%. Stabil steigende Kurse ermöglichen es dem Unternehmen günstig Schulden aufzunehmen und Anleihen für bessere Kurse zu veräußern. Auch für das Management und Geschäftsbeziehungen sind sie nicht zu verachten.

Nur weil du also Aktien eines Waffenherstellers kaufst, sterben durch dich nicht mehr Menschen. Du hast keinen Einfluss auf die Geschäfte des Unternehmens. Ob der Umsatz steigt oder sinkt, hängt in erster Linie davon ab, wie viele Waffen des Unternehmens verkauft werden. Man sollte nicht vergessen, dass der Verbraucher ein Unternehmen erst rentabel macht.

Gleichzeitig kannst du die Dividende (wenn vorhanden) als eine Art „Strafzoll“ ansehen. Je teurer die Aktie ist und je mehr Gewinne ausgeschüttet werden, desto mehr Geld zahlt das Unternehmen seinen Aktionären.

Moral hinter den Kulissen

Wie weit kannst du als einfacher Anleger überhaupt abschätzen, ob du dein Geld in einem Unternehmen investiert hast, das sich an deinen moralischen Standards orientiert?

Natürlich kannst du in den meisten Fällen sehen, welche Produkte in einem Unternehmen produziert, verkauft oder transportiert werden oder welche Dienstleistungen im Vordergrund des Geschäftsmodelles stehen, allerdings gibt es keinerlei Garantie auf einen moralischen Umgang hinter den Kulissen.

Werden regelmäßig ganze Hotelparks auf Firmenkosten gemietet? Essen die Manager gerne Haiflossen aus China? Du wirst es wahrscheinlich nie erfahren. Gerade der jüngste Skandal um Wirecard zeigt, dass viele Dinge in Firmen passieren können, von denen nicht mal BaFin etwas mitbekommt.

Dennoch kann es für dich natürlich einen Unterschied machen, ob du wissentlich oder unwissentlich unmoralische Geschäfte unterstützt. Ausschließen kannst du es aber nicht.

Passive Anlagen

Wer sein Geld passiv über Fonds an der Börse investiert, hat nur wenig bis keine Kontrolle über die Auswahl der Unternehmen. Natürlich kann ein Fonds aus einer gewissen Sparte gewählt werden, aber ein schwarzes Scharf wird wohl immer dabei sein. Das trifft vor allem auf besonders große Fonds und ETFS zu, wie solche die den MSCI- World replizieren.

Wie stehe ich zur Moral?

Moral an der Börse

Ich selbst orientiere mich an der Börse an keinen moralischen Standards. In erster Linie geht es mir lediglich um den Gewinn. Ich würde also nie ein profitables Unternehmen meiden, nur weil es in den Augen mancher Menschen moralisch fragwürdig ist.

Daher habe ich sowohl mit Aktien von Öl- Firmen, Unternehmen aus der Nahrungsmittelbranche oder Vertreiben von Glücksspielangeboten Geld verdient und werde es auch weiterhin, wenn sich eine Gelegenheit ergibt.

Auf der anderen Seite investiere ich auch in Wasserstoff-Aktien, in „grüne“- Energie oder Fleischersatzprodukte. Nicht, weil ich es besonders nachhaltig finde, sondern weil das zukünftige Potential aus meiner Sicht sehr hoch ist.

Am Ende steht es jedem frei, wie und in was er an der Börse investiert. Jeder kann sich seine Lieblingsaktie ins Depot legen. Willst du keine Aktien aus der Waffenindustrie kaufen, dann zwingt dich auch keiner dazu. Störend wird es erst dann, wenn du andere dafür kritisiert, sich nicht nach DEINEN moralischen Vorstellungen zu richten.

Wie stehst du zum Thema Moral an der Börse?

Hast du besondere moralische Standards, die deinen Transaktionen an der Börse zugrunde liegen? Oder zählt für dich nur der reine Gewinn?

Schreib es mir gerne unten in die Kommentare!

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5 Kommentare zu „Die Moral beim Aktienhandel

      1. Solar, Wasserstoff, Wind z.B. SMA Solar, Solaredge, Enphase, Vestas, Nordex, Siemens Gamesa, Ballard Power, Nel, Powercell, ITM.
        Gibt es inzwischen eigentlich einen Wasserstoff ETF?

      2. Ich glaube einen ETF der nur Wasserstoffaktien enthält gibt es leider noch nicht. Ich habe von aktiven Fonds gelesen, die nur solche Aktien enthalten. Allerdings kaufe ich keine aktiven Fonds^^

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