Warum ein Sparplan sinnvoll ist

Warum ein Sparplan sinnvoll ist

Investierst du in einen ETF, hast du grundsätzlich zwei Möglichkeiten: Entweder du investierst direkt eine große Summe, oder du wählst einen Sparplan zur regelmäßigen Investition. In diesem Artikel möchte ich dir die Vor- und Nachteile beider Methoden aufzeigen, damit du die für dich am besten geeignete Methode findest!

Table of Contents

Was ist ein Sparplan überhaupt?

Wir haben uns in den vergangenen Artikeln intensiv mit ETFs als Vertreter der passiven Indexfonds auseinandergesetzt. Hast du dich für einen ETF entschieden, den du über einen langen Zeitraum halten möchtest, kannst du nun mit deiner Investition starten. Die gängige Variante für den Vermögensaufbau ist ein Sparplan auf das ausgewählte Finanzprodukt.

In einem Sparplan wird eine festgelegte Summe in regelmäßigen Intervallen investiert. Die Höhe dieser Summe orientiert sich an deinen persönlichen Voraussetzungen und deiner Sparquote (Modul 1: „Deine Finanzplanung„).

In einem monatlichen Intervall kaufst du folglich jeden Monat für beispielsweise 250 Euro Anteile eines ETFs auf den MSCI World. Der Kaufzeitpunkt liegt klassischerweise am ersten oder 15. eines Monats und kann jederzeit geändert werden.

Darüber hinaus ist es zu jeder Zeit möglich, den Sparplan für einen Monat zu pausieren oder die Summe zu verändern. Das kann zum Beispiel sinnvoll sein, wenn eine Gehaltszahlung aufgrund von Kurzarbeit geringer als üblich ausfällt oder ein Bonus ausgezahlt wird.

Vorteile eines Sparplans

  • Es bedarf keines großen Startkapitals, du kannst nächsten Monat beginnen
  • Sparpläne sind flexibel und modifizierbar
  • Du musst nicht versuchen den Markt zu timen – klappt eh nicht
  • Risiko wird verringert
  • Geld landet direkt an der Börse
  • Du profitierst vom Cost Average Effekt

An erster Stelle ist es natürlich möglich, direkt mit dem Investieren über einen Sparplan zu beginnen. Du musst nicht erst ein paar tausend Euro auf dem Konto haben, sondern kannst direkt mit der Auszahlung deines nächsten Gehaltes deine erste Sparplanausführung ausführen.

Zudem kannst du, wie eingangs schon angesprochen, flexibel auf neue Bedingungen reagieren und deinen Sparplan nach oben oder unten regulieren, wenn plötzlich mehr oder weniger Geld zur Verfügung steht. Ggf. kannst du auch jederzeit den ETF tauschen, wenn es ein besseres Angebot gibt. Allerdings würde ich grundsätzlich von zu vielen Wechseln abraten, wenn es keinen wirklich großen Kostenunterschied gibt.

Durch die regelmäßigen Ausführungen kannst du dich dann entspannt zurücklehnen und musst nicht permanent den Kurs verfolgen. Den einen perfekten Moment mit dem günstigsten Kurs findest du in der Regel eh nicht. Stattdessen kaufst du durch die 12 Ausführungen zu einem Durchschnittspreis. Ausreißer nach oben und unten gleichen sich also langfristig aus.

Weiterhin landet dein Geld direkt an der Börse und liegt nicht erst auf deinem Verrechnungskonto rum. Wenn du immer erst ein halbes Jahr auf den perfekten Moment wartest, machst du in dieser Zeit keine Rendite und musst nachher wohlmöglich doch für einen teureren Preis kaufen.

Gleichzeitig profitierst du vom Cost Average Effekt. Unter dem Cost-Average-Effekt versteht man die Tatsache, dass ein Anleger für einen gleich bleibenden Betrag bei fallenden Kursen mehr Anteile und bei steigenden Kursen weniger Anteile kaufen kann. 

Cost Average Effekt durch Sparpläne

Einfaches Beispiel des Durchschnittskosten-Effekts.
Weltsparen

In diesem Beispiel werden fünf Einzelkäufe für je 100 Euro mit einem Einmalkauf von 500 Euro verglichen. Durch den dargestellten Kursverlauf hat der Anleger durch den Sparplan am Endpunkt 0,66 Anteile mehr erworben und damit auch 66 Euro mehr im Depot.

Aber Achtung!

Langfristig kann durch den Cost Average Effekt nur profitiert werden, wenn der Kurs durchschnittlich sinkt. Bei einem mittig steigendem Kurs ist eine Einmalanlage profitabler.

Dennoch ist es gerade zu Beginn aus psychologischer Sicht sinnvoll, gleichmäßig zu investieren und sein Risiko bei fallenden Kursen zu verkleinern. Du darfst eins nicht vergessen: Fallen die Kurse, kaufst du günstiger! Ein rapider Abfall im Depot ohne Cash zum Nachkaufen kann hingegen sehr wehtun.

Dazu ein kleines Beispiel: 2007 stand der DAX bei ca. 8000 Punkten. Eine Einmalinvestition hätte sich bis 2008 halbiert (Dax auf 4000 Punkten). Ein Sparplan der gleichen Summe auf 12-24 Monate hätte den Kaufwert ohne Probleme unter 7000 Punkte gedrückt.

Die Einmalinvestition

Wie du jetzt weißt, ist eine Einmalinvestition einer großen Summe von einem deutlich höheren Risiko behaftet. Gleichzeitig kann sie dir aber auch eine höhere Rendite bringen.

Langfristig betrachtet orientiert sich der Markt immer nach oben. Daher ist langfristig immer von einem Wachstum auszugehen (zumindest lässt uns der Blick in die Vergangenheit das vermuten). Die Wahrscheinlichkeit, dass der Markt steigt, ist zu einem Kaufzeitpunkt also immer höher, als die Wahrscheinlichkeit, dass der Markt fällt.

Stochastisch gesehen ist die Einmalinvestition daher dem Sparplan überlegen. Die Realität lehrt uns aber immer wieder das Gegenteil. Als Beispiel habe ich hier meinen neuen MSCI- World ETF, den ich seit Februar diesen Jahres bespare.

MSCI- WORLD aus Portfolio- Performance

Hätte ich hier direkt zu Beginn 2020 eine große Position eröffnet, wäre ich jetzt, Ende des Jahres, noch in den roten Zahlen. Durch den Sparplan konnte ich regelmäßig kaufen und habe sogar einige Einzelkäufe ergänzt (Ende Q1).

Verfügst du über eine angesparte Summe, die du in den nächsten Jahren nicht brauchst, und ist dein Notgroschen vollständig aufgebaut, dann kannst du diese zusätzlich zu deinen Sparplänen in wenigen Teilausführungen investieren.

10.000 Euro könnten zum Beispiel über 10 Monate neben den Sparplänen in 10 Einzelinvestitionen in einen ETF fließen. Natürlich auch in zwei oder in 20 Monaten, je nachdem wie es dir am liebsten ist.

Wie viele Sparpläne parallel?

Bei dieser Frage scheiden sich die Geister. In der klassischen Variante konzentriert man sich lediglich auf einen MSCI- World ETF und einen MSCI Emerging Markets (EM) ETF. Letzterer bildet die Schwellenländer ab und vervollständigt deine globale Diversifizierung. Dabei werden zumeist 70% in den MSCI- World und 30% in den EM investiert (ich selbst habe mich für eine 66%/33% Verteilung entschieden).

Ein ETF, der diese beiden ETFs kombiniert, ist der MSCI ACWI (Der MSCI All Countries World Index). Hier kannst du nicht frei über die Gewichtung entscheiden.

Natürlich kannst du beliebig viele ETFs besparen und auch ein paar exotische Kandidaten aus dem Bereich Pharma, Biotech oder Digitalisation ins Depot holen, allerdings sind solche Produkte natürlich auch riskanter. Wenn du mit einem entsprechend hohen Zeithorizont investierst, gehst du eine Sektorwette auf eine bestimmte Sparte ein. Läuft es zum Beispiel im Tech- Sektor irgendwann nicht mehr so gut, belastet das die Tech- Indizes wesentlich intensiver als einen globalen World ETF.

Für den Anfang würde ich auf jeden Fall mit einem oder maximal zwei ETFs starten und diese erstmal verfolgen. Auch wenn deine Sparrate von Beginn an bei 1000 Euro liegt, sind ein ETF auf den MSCI- World und den Emerging Marktes ETF vollkommen ausreichend, um alle Bereiche des Marktes abzubilden.

Welche ETFs aus meiner Sicht eine spannende Ergänzung des klassischen Portfolios darstellen können, erfährst du in einem der folgenden Beiträge.

Größe der Sparrate

Du kannst einen ETf in den meisten Fällen schon ab 25 Euro besparen, daher ist das auch die untere Grenze für einen Sparplan. Nach oben hin sind dir quasi keine Grenzen gesetzt. Du kannst also sowohl 100 Euro als auch 2.000 Euro pro Sparplan wählen, wenn dir danach ist.

Die letztliche Umsetzung und Gestaltung deiner Sparpläne ist dir selbst überlassen. Ich kenne sowohl Anleger die 600 Euro auf fünf ETFs verteilen als auch Anleger die 3.000 Euro in nur zwei ETFs stecken.

Rebalancing

Nach einem Jahr kannst du dir erneut deine ETFs im Depot angucken und das neue Verhältnis mit dem ursprünglich eingestellten Verhältnis vergleichen. Vorher ist es tatsächlich gar nicht mehr nötig dein Depot zu öffnen.

Oder wie Investoren-Legende André Kostolany sagte:

„Kaufen Sie Aktien, nehmen Sie Schlaftabletten, und schauen Sie die Papiere nicht mehr an. Nach vielen Jahren werden Sie sehen: Sie sind reich.“

Ganz so streng wollen wir es hier nicht sehen. Daher empfehle ich dir das jährliche Rebalancing deiner ETFs. Eine Möglichkeit deine ursprüngliche Verteilung wiederherzustellen, ist eine Änderung des Sparplans für das nächste Jahr. Entwickelt sich ein ETF überproportional zum anderen sollte dieser im folgenden Jahr mit einer geringeren Summe bespart werden.

Ein direktes Rebalancing kann durch Kauf/Verkauf von Anteilen geschehen. An dieser Stelle stören mich persönlich aber die Transaktionskosten. Aus diesem Grund nutze ich selbst die erste Methode und reguliere meine Sparraten.

Zusammenfassung

Über einen Sparplan kannst du in periodischen Abständen Anteile an einem ETF für einen vorher festgelegten Wert kaufen.

Die Vorteile von Sparplänen sind:

  • Es bedarf keines großen Startkapitals, du kannst nächsten Monat beginnen
  • Sparpläne sind flexibel und modifizierbar
  • Du musst nicht versuchen den Markt zu timen – klappt eh nicht
  • Risiko wird verringert
  • Geld landet direkt an der Börse
  • Du profitierst vom Cost Average Effekt

Große Summen können auch auf mehrere Einzelzahlungen verteilt werden und zusätzlich zu den Sparplänen investiert werden.

Gängige Variante zum Vermögensaufbau ist eine Verteilung von 70/30 auf den MSCI- World und den Emerging Markets Index. Andere ETFs können ergänzt werden, um den Schwerpunkt zu verlagern.

Nach einem Jahr kann ein Rebalancing sinnvoll sein, um die ursprüngliche Verteilung wiederherzustellen.

Zwei ETFs sind vollkommen ausreichend für den Vermögensaufbau!


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